Auszug der Ausgabe 5 - 2011
Kulturkontakte. Leben in Europa
Das Museum Europäischer Kulturen ging 1999 aus der Vereinigung des 110 Jahre alten Museums für Volkskunde mit der Europäischen Sammlung des Ethnologischen Museums hervor. Es widmet sich den Lebenswelten in Europa und europäischen Kulturkontakten vom 18. Jahrhundert bis heute. Mit rund 275.000 originalen Objekten beherbergt es eine der größten europäischen Sammlungen zur Alltagskultur und populären Kunst.
Mit der Dauerausstellung " Kulturkontakte. Leben in Europa" zeigt das Museum auf 700 Quadratmetern erstmals einen Querschnitt aus seinen vielfältigen Sammlungen. Mit dem thematischen Ansatz greift es Diskussionen über gesellschaftliche Bewegungen und Abgrenzungen auf. Das im weitesten Sinne mobile Verhalten von Menschen in und nach Europa bewirkt auf der einen Seite kulturelle Begegnungen und Vermischungen, die zur Entwicklung globaler Kulturen führen können. Auf der anderen Seite wirft es Fragen nach Zugehörigkeiten und Identitäten von Individuen und Gruppen auf. Sie können sich bei aller Globalisierung "verloren" fühlen und besinnen sich deshalb auf das ihnen Vertraute: auf ihre Heimat, den Ort - die Region, oder ihr Land. Spielen die kulturellen Gemeinsamkeiten Europas dabei eine Rolle? Die Dauerausstellung stellt Beispiele vor - mit zum Teil außergewöhnlichen Objekten. Eine Prachtgondel aus Venedig von 1910 steht dabei stellvertretend für alle Themenbereiche: Handel, Reisen, Bildmedien, Migration, kulturelle Verortungen und Frömmigkeit. (www.sm.museum)
Nachdem wir bereits im Jahre 2007 Kontakt mit dem Museum in Berlin aufgenommen und auch einige Trachtenteile zur Verfügung gestellt haben, wurden wir als Mitwirkende für diese Ausstellung vorgeschlagen. Als wir davon erfuhren, haben wir uns spontan entschlossen, Mitte September nach Berlin zu reisen, um sicher zu gehen, dass unsere Tracht perfekt dargestellt wird. Wir wurden vor Ort von der stellvertretenden Direktorin des Museums, Frau Dr. Elisabeth Tietmeyer, und drei Damen aus der Restaurationsabteilung empfangen und sehr herzlich begrüßt. Wir arbeiteten sofort als Team zusammen, wobei jeder Schritt fotografisch dokumentiert wurde. Die Damen waren sehr an unseren alten Stoffen, den Handarbeiten sowie an den speziellen Techniken aus früherer Zeit interessiert. Im Gegenzug gaben sie auch uns für unsere Wischauer Arbeit wertvolle Tipps mit auf den Weg. Die Zusammenarbeit klappte gut und so konnten wir bald eine perfekte Wischauerin in der Festtagstracht der verheirateten Frau ins Fotoatelier des Museums stellen, denn hier werden die ausgewählten Objekte für den Ausstellungskatalog fotografiert.
Um die Ausstellung lebendig zu erhalten, müssen die Ausstellungsgegenstände von Zeit zu Zeit umgestaltet werden. So ist es auch später mit unserem Objekt geplant. Die Festtagstracht wird mit einer einfacheren Sonntagsnachmittagstracht und Kopftuch ausgetauscht. Hierbei schlug Frau Dr. Tietmeyer vor, auch unsere erneuerte Tracht (Vereinsdirndl) zusammen mit der Originaltracht auszustellen. Wir haben diesen Vorschlag als sehr gut befunden und werden uns bemühen, eine erneuerte Tracht zusammen zu stellen bzw. anfertigen zu lassen.
Nach Beendigung der Arbeit wurden uns auf einem Rundgang durch die perfekt eingerichteten, klimatisierten Räume noch die alten Textilbestände des Museums gezeigt. Dieser Einblick war für uns hoch interessant und sehr imponierend.
Als wir wieder nach Hause fuhren, waren wir sehr glücklich und stolz, dass unsere Wischauer Originaltracht zu den besonderen Trachten im europäischen Raum gezählt wird.
Die Ausstellungseröffnung ist am 8. Dezember 2011. Christine Legner / Rosina Reim
In memoriam Otto von Habsburg
von Hannes Legner
In unserer alten Heimat, der Wischauer Sprachinsel, war man dem Geschlecht der Habsburger, so aus Erinnerungen und Gesprächen meiner Vorfahren, sehr zugetan. Mit dessen Niedergang nach dem verlorenen 1. Weltkrieg 1914/1918 und der Gründung der damaligen Tschechoslowakischen Republik am 28. Oktober 1918 wurde auch allmählich der Niedergang der deutschen Wischauer Sprachinsel eingeläutet und endete letztendlich mit der Vertreibung im Jahr 1945/1946. Auch unsere verstorbene Mutter war eine Verehrerin derer von Habsburg
Otto von Habsburg ist am 6. Juli 2011 im Alter von 98 Jahren in seinem Haus in Pöcking am Starnberger See verstorben. Nach Angaben eines Sprechers waren alle seine sieben Kinder bei ihm. Wo immer er in Österreich auftauchte – die Anrede kaiserliche Hoheit – war ihm immer gewiss. Otto von Habsburg wurde am 20. November 1912 in Reichenau an der Rax als ältester Sohn von Karl I, des letzten Kaisers von Österreich und Ungarn, und seiner Gattin, Zitta von Bourbon-Parma geboren. Er war langjähriger Präsident der Paneuropa-Bewegung und als Europaabgeordneter der CSU im Europarat tätig. Im Jahre 1992 wurde seine kaiserliche Hoheit als Festredner vom Bund der Vertriebenen zur Feier des Tages der Heimat nach Karlsruhe eingeladen. Sein Blick auf die alte Heimat der Sudetendeutschen und Banater hat nie gefehlt. Bei einem kurzen Gespräch mit Teilnehmern der Wischauer Heimatgruppe und der Frage unserer Herkunft entgegnete er: „Dann sind wir ja Landsleute“ was wir wohlwollend zur Kenntnis nahmen. Bevor Otto von Habsburg mit Marschmusik verabschiedet worden ist, bestürmten ihn noch eine ganze Reihe von Autogrammjägern.
Am 11.7.2011 fand in München eine Trauermesse für Otto von Habsburg statt. Bei einem feierlichen Requiem haben sich Verwandte, Politiker und kirchliche Würdenträger von dem verstorbenen Kaisersohn Otto von Habsburg verabschiedet. Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, würdigte von Habsburg in seiner Predigt als großen Europäer und überzeugten Christen. Während des Gottesdienstes wurde ein Kondolenzschreiben von Papst Benedikt XVI verlesen. Bayerische Gebirgsschützen und Mitglieder der Tiroler Schützenkompanie standen Ehrengeleit neben dem Sarg. Unter Trommelwirbel wurde der Sarg in ein Auto verladen. Die nächste Station war der österreichische Wallfahrtsort Mariazell, wo die Trauerfeiern weitergingen.
Mit viel Pomp und Tradition hat sich Wien von Otto von Habsburg und seiner Monarchie verabschiedet. Mit einem Requiem im Stephans Dom nahmen zahlreiche Menschen Abschied vom verstorbenen Kaisersohn. Europäischer Hochadel und Politiker als Ehrengäste gaben dem Verstorbenen das letzte Geleit. Fahnenabordnungen von Traditionsverbänden und Schützenverbänden ließen Glanz und Gloria der Kaiserzeit noch einmal aufflackern. Otto von Habsburg wurde am Samstag den 16. Juli 2011 in Wien in der Kapuzinergruft beigesetzt. Abschluss der rund zweiwöchigen Trauerfeiern war die Bestattung seines Herzens in Ungarn, im Benediktinerkloster Pannonhalma, etwa 50 Kilometer westlich von Budapest. Nur der engste Familienkreis war dabei. Separate Herzbestattungen sind eine Tradition der Habsburger Familie. (Hannes Legner, Rosternitz-Karlsruhe)
Eine neue DVD
Das Hilfswerk „Kirche in Not“ hat zum Gedenken an Otto von Habsburg unentgeltlich die Sonder-DVD „Otto von Habsburg - Ein großer Europäer“ mit mehreren Fernsehsendungen herausgegeben, die den ältesten Sohn des letzten regierenden Kaisers von Österreich als einen Demokraten und Europäer der ersten Stunde zeigen. Aufgezeichnet sind zwei „Impulsreferate“, die Otto von Habsburg 2006 auf dem Zweiten Internationalen Kongress „Treffpunkt Weltkirche“ von Kirche in Not in Augsburg gehalten hat und in denen er dafür eintritt, Europa durch christliche Werte zu erneuern.
Außerdem enthält die Sonder-DVD ein zweiteiliges Interview mit Otto von Habsburg aus dem Jahre 2006, in dem dieser ausführlich auf die christlichen Wurzeln Europas als unverzichtbare politische Grundlage für das Miteinander der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union eingeht.
Bestelladresse: Kirche in Not, Lorenzonistraße 62, 81545 München, Telefon 089 64248880, email kontakt@kirche -in-not.de ( Sudd.Zeitung)
Sudetendeutsche Trachten gehen auf Reisen
Die Ausstellung im Sudetendeutschen Haus in München im August 2011 unter dem Motto „Trachten der Heimat - Das Kleid der öffentlichen Brauchtumspflege“ wurde trotz Ferienzeit von den Besuchern sehr gut angenommen. Die SL-Ortsgruppe Peiting hat sich bei ihrem Besuch in München sofort entschlossen, alle Trachtenfigurinen und die dazugehörigen großen Bilder für eine Ausstellung zu übernehmen. Die Trachten gehen also auf Reisen und wir hoffen, dass die präsentierten Exponate, aus den verschiedenen Heimatlandschaften, darunter auch unsere Tracht, beim Publikum in Peiting genau so gut ankommen wie in München. RR
Besuch in der alten Heimat unserer Vorfahren der ehemaligen Wischauer Sprachinsel
Ein schon seit längerer Zeit gehegter Wunsch unseres Quartetts, Hannes Legner, Thomas Prochaska, Reinhard und Werner Haschka, ging am 29. August 2011 in Erfüllung.
Wir starteten um 7.30 Uhr in der Frühe von Karlsruhe-Grötzingen und fuhren in Richtung
Tschechien, genauer gesagt: in die unvergessene Sprachinsel bei Wischau. Bei geradezu
traumhaftem Wetter kamen wir zügig und ohne Stau voran. Unsere Mittagspause legten wir
27 km vor Brünn bei Domašov in der Raststätte Devet Krí¸u (dt. Neun Kreuze) ein. Die Mahlzeit war sehr bekömmlich und wir erhielten von dem freundlichen Ober eine Broschüre, welche den Namen dieses Ortes erklärte. Im Jahre 1640 kam es hier zu einer schrecklichen Bluttat, bei der eine Hochzeitsgruppe durch Eifersucht ermordet wurde. Aufgrund der neun Opfer erstellte man genauso viele Holzkreuze zum Gedenken an das entsetzliche Verbrechen. Danach ging es weiter, bis wir unser Ziel, das Hotel Atrium in Wischau, um 16.00 Uhr erreicht hatten. Wir bezogen unsere Zimmer und machten anschließend einen Rundgang durch die Innenstadt.
Für uns vier ist es schon ein vertrauter Ort, besonders bei Hannes und Thomas riefen die Gebäude und Plätze viele Erinnerungen an die Jugendzeit hervor. Im Cafe Jansky genossen wir erfrischende Getränke bzw. Eisbecher. Zurück im Hotel setzten wir uns mit Jaqueline Kutscherauer, unserer liebenswerten Bekannten, die in Wischau wohnt, in Verbindung und luden sie für den nächsten Abend zu uns ein. Zum Abschluß des Tages ließen wir noch einmal unsere Eindrücke Revue passieren.
Nach dem Frühstück fuhren wir über Zouvalka in die Sprachinseldörfer. Zuerst besuchten wir
das kleine Dorf Thereschau. Zu Fuß gingen wir vom Feuerwehrhaus los und trafen auf ein Ehepaar aus dem Ort. Der Mann wirkte mit seinem mächtigen Bart wie Rübezahl aus dem Riesengebirge. Bei einer kurzen Unterhaltung teilte er uns mit, daß er eine schmale Rente
bezieht und sie durch einen Nebenverdienst aufbessern muß. Allerdings gab er auch an, zwei Häuser zu besitzen. Die Frau des Bärtigen erzählte uns, daß ihre Großmutter deutschstämmig war und den Familiennamen Rosner trug. Reinhard, der gleichzeitig unser Fotograf und Chauffeur war, fotografierte die Kapelle, auch die ehemaligen Häuser der mit uns verwandten Familien Sprta (Nr. 13) und Heger (Nr. 11). Ebenso wurde das Försterhaus und das alte Schulgebäude abgelichtet. Der Thereschauer Wald war früher ein beliebtes Jagdrevier bei den Jägern der Sprachinsel. Danach fuhren wir weiter Richtung Hobitschau, dem Heimatdorf unserer Eltern. Wir konnten das Haus Nr. 136 identifizieren, welches noch während des Zweiten Weltkrieges von unserem Großvater Haschka in Eigenarbeit erbaut wurde. Auch von diesem Gebäude machten wir Aufnahmen und natürlich vom Haus Nr. 57, dem Geburtshaus unseres Vaters (das Klink-Haus). Wir wollten natürlich bei dieser Gelegenheit den Bürger-
meister des Ortes besuchen. Leider stellte sich heraus, daß er zur Zeit erkrankt war und sich einer Gallenoperation unterziehen mußte. Das teilte uns die freundliche Sekretärin mit. Sie ließ uns auch großzügigerweise ein Gemeindebuch einsehen, in welchem die gesamten Liegenschaften des Dorfes mit seinen ehemaligen und neuen Eigentümern verzeichnet sind. Wir konnten einige dieser Einträge ablichten. Neben dem Bürgermeisteramt wohnt eine ältere Frau, die wir bei dieser Gelegenheit besuchten. Es ist die Polzer Julie und sie bat uns in ihr Haus, das einen sehr gepflegten und sauberen Eindruck machte. Sie konnte sich auch noch ganz gut an unsere Eltern erinnern. So etwas wirkt immer berührend auf uns Nachkommen. Während der ganzen Zeit wurden wir vom lebhaften Hund Waldi umkreist. Im Sölder des Gemeindekindergartens entdeckten wir auch eine Erinnerungstafel aus dem Jahre 1940, die den Architekten Josef Schurius erwähnte. Danach suchten wir nach dem Haus unseres Ehrenvorstandes Josef Legner (Nr. 110). Wir konnten auch hier gute Bilder machen. Am Ende des Dorfes, in Richtung Kutscherau, stand früher neben dem Trafohaus das Gebäude unserer Großeltern Heger (Nr. 46). Es soll angeblich nach dem Krieg abgebrannt sein. Jetzt ist auf dem Grundstück ein umzäunter Garten. Auch hiervon machten wir etliche Fotos. Dann ging die Fahrt weiter nach Kutscherau, dem Heimatdorf von Thomas Prochaska. Wir fuhren langsam durch den Ort und dann durch das „Kiaragastel" (Kirchgasse) zu der Pfarrkirche „St. Peter und Paul". Das Gotteshaus ist permanent abgeschlossen, bestimmt aus gutem Grund. Die Renovierung ist schon sehr gut vorangekommen und man kann an dieser Stelle den Initiatoren und Unterstützern dieses Projektes nicht genug danken. Wir gingen auf den hinter der Kirche liegenden Friedhof und Reinhard machte währenddessen etliche Aufnahmen. Dabei machten wir die Bekanntschaft einer sympathischen tschechischen Dame mittleren Alters, die uns einiges aus ihrem sehr schicksalhaften Leben erzählte. Sie war auf den Friedhof gekommen, um das Grab ihres Vaters zu besuchen. Vor dem Eingang zur Kirche wurde am 27.7. 2008 beim Besuch einer Reisegruppe ehemaliger Sprachinsler ein Baum der Versöhnung gepflanzt. Nach dem Besuch von Kirche und Friedhof suchten wir das Haus
Nr. 12. Dieses gehörte früher der Familie Butschek und war auch als „Piche-Haus" bekannt. Jetzt hat die Familie Dvorák aus Nemojany das Anwesen gekauft und ist dabei, dieses detailgetreu zu restaurieren. Es ist eine sehr aufwendige und zeitraubende Aufgabe, die den neuen Besitzern viel Energie abverlangt. Frau Dvoráková war gerade anwesend und wir wurden sehr herzlich begrüßt. Sie ist Projektleiterin des Verbandes Vetrnik (dt. Windrad) und führte uns durch die Räumlichkeiten. Sie machte uns auch mit ihrem Mann bekannt. Nachdem wir Familie Dvorák verlassen hatten, fuhren wir weiter Richtung Bochdalitz. Zuerst ging es wieder zur Kirche „Himmelfahrt der Jungfrau Maria" (erbaut im Jahre 1806) und den dahinterliegenden Friedhof. Auf der Rückseite des Gotteshauses ist eine Gedenktafel an die Familie der Reichsritter von Manner angebracht. Reinhard wagte den Abstieg zur Familien-gruft des Adelsgeschlechts, kam aber nach kurzer Zeit wieder nach oben, da es unten relativ modrig und schlammig war. Unweit davon liegt das Schloß Bochdalitz. Es ist ein altes, geschichtsträchtiges Gebäude, in dem sich vor der berühmten Schlacht von Austerlitz im Jahre 1805 der österreichische Kaiser Franz und der russische Zar Alexander getroffen haben. Vor dem Schloß steht eine uralte, mächtige Linde, die einen Umfang von mindestens sechs Metern hat. Auch hier machten wir Fotos und fuhren weiter Richtung Prace, dem Ort der legendären Schlacht von Austerlitz. Bei unserem letzten Besuch konnten wir nicht mehr an der Vorfüh-rung teilnehmen. Diesmal hatten wir mehr Glück. Wir konnten eine sehr beeindruckende Ton-Video-Show erleben, in welcher der Verlauf der Schlacht akribisch nachgestellt wurde. Auch Teile von Waffen und Ausrüstungsgegenständen waren zu sehen. Bei dieser Veranstaltung lernten wir auch eine Familie aus Deutschland kennen, deren Tochter nach Tschechien geheirat hat. Wir unterhielten uns sehr angenehm und erzählten bei dieser Gelegenheit auch von der Wischauer Sprachinsel und deren jahrhundertealter Geschichte. Unter dem gewalti-
gen Denkmal der „Dreikaiserschlacht" befindet sich eine Kapelle mit einer außergewöhn-lichen Akustik. Wenn man sich in eine Ecke stellt und gegen die Wand spricht, hört man an der diagonal liegenden Ecke selbst nur geflüsterte Worte wie über einen Lautsprecher. Von diesem sogenannten Pratzenberg, um den die Schlacht stattfand, hat man eine unglaubliche Aussicht. Auch hier haben wir viele Bilder gemacht und fuhren anschließend zurück in unser Wischauer Hotel. Nach dem Abendessen besuchte uns Jaqueline Kutscherauer. Dabei unter-
hielten wir uns intensiv, sprachen über unsere Tageserlebnisse und luden sie zu einer Fahrt nach Kiritein ein.
Am nächsten Morgen holten wir sie ab und fuhren zunächst nach Rosternitz, der Heimat von
unserem Freund Hannes Legner. Im Bürgermeisteramt, das sich im Volkshaus von Rosternitz befindet, wurden wir von Frau Irina Dvoráková erwartet, die mit uns die Wischauer Heimat-
stube besuchte. Hier sind viele Gegenstände aus der Sprachinsel ausgestellt, in einem sehr ansprechenden Ambiente. Wir trugen uns bei dieser Gelegenheit in das Gästebuch ein und stellten fest, daß es immer wieder Besucher gibt, die ihre alte Heimat wiedersehen wollen, bzw. den Kindern und Enkeln die Stätte ihrer Kindheit zeigen. Nach dem Besuch des Volks-hauses konnten wir mit Frau Dvoráková und der Verwalterin der Kirchenschlüssel, Frau Soutschek, die Rosternitzer Kirche „St. Cyrill und Method" besuchen. Besonders für Hannes ist es immer ein bewegender Moment, der viele Emotionen hervorruft. Auch von dem Platz, auf dem das Gebäude seiner Familie stand, machten wir Bilder. Auf dem Friedhof besuchten wir verschiedene Gräber und machten davon Aufnahmen. Anschließend ging es nach Swonowitz. Dort fotografierten wir das Haus Nr. 65, in welchem früher Marie Drabek, geb. Krejcir, gewohnt hat. Weiter ging die Fahrt nach Lissowitz; hier besuchten wir auch den Friedhof und danach die ehemalige Bürgerschule, in welcher Generationen von Sprach-
inslern die Schulbank gedrückt haben. Nachdem wir auch hier etliche Aufnahmen gemacht hatten, ging es weiter in den Wallfahrtsort Kiritein (tschech. Krtiny). Auch bei unserem letzten Besuch stand dieser auf dem Programm. Kiritein liegt in den Wäldern des Drahaner
Berglandes. In diesem Ort steht die „Wallfahrtskirche der Jungfrau Maria", erbaut zwischen
1718 und 1750 nach Plänen des Johann Blasius Santini-Aichl. Im Jahre 1844 wurde sie durch einen Brand stark beschädigt und danach durch tatkräftige Unterstützung der Herren von
Dietrichstein-Proskau wiederhergestellt. Es ist ein prachtvolles Gotteshaus. Die auch als „Perle Mährens" bezeichnete Kirche wurde im Jahre 2008 zum Nationalen Kulturdenkmal erklärt. Bevor wir die Wallfahrtskirche besuchten, nahmen wir ein opulentes Mittagsmahl zu uns. In der Kirche waren nur wenige Besucher anwesend. Wir nutzten die Gelegenheit und sangen voller Inbrunst ein „Ave Maria". Dann bestaunten wir im Kreuzgang das aus 39 Einzelglocken bestehende Glockenspiel, welches im Jahre 2004 geweiht wurde. Nachdem wir noch einige Grußkarten an Bekannte und Verwandte geschrieben hatten, machten wir uns auf den Heimweg. Unterwegs kehrten wir im Dorf Ratschitz in einer urigen Gastwirtschaft ein und erfrischten uns mit einem kühlen Getränk. Das Wetter war optimal und wir genossen den Aufenthalt im Freien, bis wir wieder aufbrachen.
Der nächste Tag führte uns nach „Svatý Kopecek"(dt. Heiligenberg) bei Olmütz. Hier besuchten wir die Basilika „Mariä Heimsuchung", die zwischen 1669 und 1679 nach den Plänen von Giovanni Pietro Tencalla erbaut wurde. Auch hier staunten wir über die Pracht und beeindruckende Architektur des Gotteshauses. Im Anschluß wollten wir noch eine Fahrt nach Velehrad, einen der bedeutendsten Wallfahrtsorte Mährens, machen. Dieser Ort ist eng mit den beiden Slawenaposteln Cyrill und Method verbunden. Die Fahrt erwies sich allerdings, trotz modernster Navigationstechnik, als sehr abenteuerlich. Wir wurden quer durch den mährischen Forst geführt, über steile und abschüssige Strecken, atemberaubende
Kurven und dergleichen. Aber das Ziel erreichten wir exakt. Auch hier legten wir zuerst eine Mittagspause mit Essen ein. Die Basilika „Mariä Himmelfahrt und St. Cyrill und Method" wurde im Jahre 1228 durch Bischof Robert von England geweiht. Leider wurde das Kloster im Jahre 1421 durch die mährischen Hussiten zerstört und niedergebrannt. Erst in den Jahren 1587 - 1592 kam es unter Abt Ekard von Schweben zum Wiederaufbau. Den Umbau des Konventtraktes hat erst Abt Johann Greifenfels von Pilsenburg in den Jahren 1629 - 1635 im frühbarocken Stil durchgeführt. Bedauerlicherweise war der vordere Teil des Kirchenschiffs eingerüstet und wir konnten nur den Bereich des Altars und der Seitenaltare bewundern. In den Jahren 1935 - 1938 wurde der ganze barocke Innenschmuck mit großem Aufwand restauriert. Die Bedeutung des bis in die Zeiten der Hl. Cyrill und Hl. Method zurückge-henden Velehrad betonte Papst Pius XI. im Jahre 1927, als er der Velehrader Kirche den Titel einer päpstlichen Basilika verlieh. Im Jahre 1985 stiftete Papst Johannes Paul II. die Goldene Rose für die Basilika und besuchte Velehrad im April 1990 persönlich.
Wir machten uns wieder auf den Heimweg und wollten diesmal eine komfortablere Strecke fahren. Allerdings war auch die neue Route nicht optimal und wir verloren leider viel Zeit, so daß wir einen vereinbarten Termin mit unserer Bekannten Jaqueline nicht mehr einhalten konnten. So verschoben wir nach Absprache unser Treffen auf den späten Abend und trafen uns bei ihr in der Privatwohnung. Es wurde ein schöner, harmonischer Abschluß des Tages.
Am anderen Tag hatte unser Kamerad Hannes Legner einen persönlichen Wunsch. Er wollte seinen Geburtsort Rosternitz noch einmal in aller Ruhe besuchen und einen Rundgang durch das ihm so vertraute Dorf machen. Wir drei anderen fuhren in dieser Zeit zum Hotel Allvet,
das harmonisch an der Alten Kaiserstraße liegt. Es war in früherer Zeit ein Meierhof; jetzt ist es ein sehr repräsentatives Anwesen und bietet sich für künftige Besuche an. Wir sprachen an der Rezeption vor und erhielten bereitwillig Broschüren für eventuelle Hotelbuchungen. Dann fuhren wir wieder nach Rosternitz, um mit Hannes zusammenzutreffen. Bei dieser Ge-
legenheit besichtigten wir einen alten Sölder neben dem Pfarrhaus. Noch einmal warfen wir einen Blick auf die Ortsmitte, den ehemaligen „Leimatsplotz"(Leinwandplatz), welcher denRosternitzernwohlbekannt ist und fuhren Richtung Kutscherau. Hier besuchten wir die Familie Jaroslaw und Theresia Kalácek. Wie schon bei unserem letztjährigen Besuch, so wurden wir auch dieses Mal herzlich empfangen. Bei frischgemachten Zwetschgenknödeln, Kaffee und Sekt, gab es viel zu reden. Wir erfuhren auch von Theresia Kalácek, daß der Schlüssel zur Kutscherauer Kirche bei einer gewissen Paní Okurková (dt. Frau Gurke) aufbewahrt wird. Nach dem Besuch bei Familie Kalácek machten wir uns auf den Weg zu der besagten Frau und fanden auch deren Haus. Nach wiederholtem Klopfen öffnete sie schließlich und Hannes fragte auf tschechisch, ob wir die Kirche besuchen dürften. Sie erwies sich als sehr wortkarg und verschlossen, sagte aber spontan zu. Das Angebot, sie mit dem Auto mitzunehmen, lehnte sie jedoch schroff ab. So fuhren wir zur St. Peter und Pauls Kirche voraus und warteten auf die Schlüsselverwalterin. Nach kurzer Zeit kam sie, schloß zuerst die Pforte auf und entschärfte die moderne Alarmanlage. Dann ließ sie uns die Kirche besichtigen, beobachtete uns dabei aber argwöhnisch. Wir waren sehr angetan vom Inneren des Gotteshauses, in dem schon viele Generationen unserer Vorfahren getauft und getraut worden sind. Es war für uns eine Selbstverständichkeit, zum Dank an diesen Besuch ein kräftiges, majestätisches „Te Deum" zu singen. Selbst über das ernste Gesicht von Paní Okurková huschte der Anflug eines Lächelns, als sie das Loblied hörte. Wir wollten ihr für ihre Bereitschaft eine finanzielle Gabe zukommen lassen, sie lehnte es jedoch kategorisch ab und wies stattdessen auf den Opferstock, der Spenden für die Renovation aufnimmt. Gerne taten wir ihr diesen Gefallen. Auch vom Innenraum der Kirche machte wir viele Aufnahmen. Dann wurde es für uns Zeit, zurück nach Wischau zu fahren, denn wir wollten noch in der Kirche „Himmelfahrt der Jungfrau Marie" die sogenannte Deutsche Kapelle besuchen. Hier kehrten angeblich immer die Bürger der Sprachinseldörfer zum Gebet ein, wenn sie in Wischau waren. Leider war es uns nicht möglich, aufgrund eines rigiden Fotografierverbotes Bilder vom Kirchenschiff zu machen. Reinhard gelang es trotzdem, heimlich eine Aufnahme ohne Blitzlicht zu erstellen. Den Tag beschlossen wir gemeinsam mit Jaqueline Kutscherauer im Hotel. Da sich unser Besuch dem Ende näherte, verabschiedeten wir uns herzlich von unserer charmanten Bekannten und bereiteten uns auf die Heimreise vor.
Nach dem Frühstück verstauten wir unser Gepäck und fuhren kurz in die Stadt, um Speziali-täten und weiteren Proviant einzukaufen. Dann ging es los - Richtung Heimat - über die Autobahn Brünn - Pilsen - Prag. Wir machten kurz nach der Grenze einen Abstecher in ein Einkaufszentrum, um dort noch Geschenke etc. zu kaufen. Anschließend fuhren wir recht flott Richtung Karlsruhe.
Wieder einmal war es ein besonderes Erlebnis für uns und hat viele positive Eindrücke hinterlassen. Wir hatten wunderschönes Wetter und trafen auf angenehme Mitmenschen.
Besonders Hannes und Thomas möchte ich meinen herzlichen Dank für ihre Begleitung aussprechen, auch meinem Bruder Reinhard, der die ganze Strecke absolviert hat und uns wohlbehalten zurückbrachte. Werner Haschka
Katharina Witzemann’s Leben - in Kutscherau und Durlach
Kindheit in Kutscherau: Katharina wurde am 20. April 1923 in Kutscherau Nummer 126 geboren. Sie war das dritte Mädchen der Eheleute Christine und Anton Apostol und hatte vier Schwestern: Elisabeth, Christine, Juliana und Anna.
Kutscherau war die älteste und lange Zeit auch einzige Pfarrei der Sprachinsel. Es ging die Sage, dass an der Stelle der barocken Pfarrkirche „St. Peter und Paul“ auf dem Hügel über dem Dorf in Vorzeiten ein heidnischer Tempel stand. Rings um die Kirche lag der Friedhof, von einer hohen Mauer umfriedet. (aus Bilder aus der Wischauer Sprachinsel). Die großen Lindenbäume im Kirchgässchen erinnern an die Truppen von Napoleon, welcher die Schlacht bei Austerlitz im Jahre 1805 gewann.
Das Elternhaus wurde Ende des 18. Jahrhunderts gegenüber dieser Kirche gebaut. Es war kein Bauernhof, denn der Vater war Briefträger und die Mutter sorgte für das Hauswesen und die Kinder. Katharina verlebte eine glückliche Kindheit im Schoss dieser Familie.
Sie besuchte fünf Jahre Volksschule mit nur deutschen Lehrern, und ihre guten Leistungen ermöglichten ihr auch einen Besuch an der weiterführenden Bürgerschule in Lissowitz. Mit 14 Jahren beendete sie ihre Schulzeit und trat bei Felix Butschek, Bauer, als Magd in den Dienst ein. Dieser Arbeit ging sie acht Jahre nach und dann musste auch sie ihre Heimat verlassen.
Krieg: Am 27. April 1946 mussten die Bewohner der Sprachinsel auf dem Kirchenhügel beim Bohdalitzer Kreuz so lange Schützengraben ausheben bis GANZ plötzlich heftig schreiende, deutsche Soldaten auftauchten: „Aufhören, Aufhören, es hat keinen Wert mehr“. Zugleich feuerten auch schon die ersten Geschosse über den Windberg herüber und Tiefflieger kamen von Wischau her, wo sie bereits ihre Bomben abgeschmissen hatten. Katharina suchte zusammen mit anderen verängstigten Dorfbewohnern in den Schützengräben Schutz. Es dauerte keine zwei Stunden, und die ersten Russen waren im Dorf. Die Familie Apostol versteckte sich im eigenen großen Keller, wo bereits alles Wichtige für die Familie verstaut war. Die Nachbarschaft ohne Keller kam auch dorthin, doch die Russen fanden sehr bald dieses Versteck - und holten sich als erstes die Frauen. (Näher möchte Katharina darauf nicht eingehen!)
Katharina erinnert sich noch mit Schrecken, wie im elterlichen Hof eine Granate einschlug, die mit einem Höllenlärm durch das ganze Haus drang. Sie trauert noch heute um den schönen Kachelofen, der dabei gänzlich zerstört wurde. Im Keller versammelten sich ständig mehr Leute, weil man der Meinung war, das Schicksal gemeinsam leichter ertragen zu können.
Die Familie Apostol fühlte sich auch in dieser schwierigen Zeit für den Pfarrhof verantwortlich. Als man sich etwas sicher wähnte, gingen alle dorthin. Es sah sehr schlimm aus. Alles war wild durcheinander geschmissen, das Heilige Grab, welches im Pfarrhaus verwahrt wurde, war verstreut und kaputt geschlagen. Die Apostol’s sahen, sie konnten nicht helfen und rannten verzweifelt von diesem heiligen, jetzt aber ganz furchtbaren Platz weg, durch das ganze Haus in den Garten zum Nachbarn, wo sie bereits ein russischer Soldat empfing. Sie mussten sofort wieder in ihr Haus zurück.
Die deutschen Truppen schossen am 28. April weiter vom Fliegerhorst nach Kutscherau. Die Apostol‘s verbrachten ihre Kriegstage bei verschiedenen Stellen, zuerst bei der Familie Prychistal 81, und dann bei ihrer ältesten Tochter Juliana, verheiratete Kristof 87. Die Familie Novotny 158, war mit ihren fünf Kindern ebenfalls hier. Trotz der bedrückenden Enge fühlte man sich besser, wenn Menschen da waren.
Täglich ging Frau Apostol in ihr Haus, um die Geißen und Schweine zu füttern. Sie hatte immer einen kleinen Koffer dabei, in dem sie alle wichtigen Dokumente „das gesamte Hab und Gut der Familie“ mittrug. Als sie eines Tages mit ihrer Arbeit fertig war und ihren Koffer wieder holen wollte, war er spurlos verschwunden. Sie ging in das Nachbarhaus, in dem die Russen einquartiert waren und weinte herzzerreißend. Sie schüttete ihr Leid einem höheren Offizier aus und siehe da, kurz darauf, als sie wieder mal in ihr Haus kam, um Stroh für die Tiere zu holen, lag der kleine Koffer dort – u n d der Inhalt war vollständig. Solch positive Dinge waren kleine Lichtblicke in der düsteren Zeit.
Die Angst blieb Tag und Nacht bei den Menschen und besonders die jungen Frauen hatten es sehr schwer. Alle versteckten sich so gut es ging - und Katharina hatte Glück!!!
Als das Lazarett in Kutscherau aufgelöst wurde, waren auch die Russen weg –
doch dann kamen die Tschechen.
Diese nahmen sich die Häuser, die ihnen gefielen und welche sie besitzen wollten. Die deutschen Besitzer wurden aus ihren Häusern verjagt. Frau Butschek und ihre Familie mussten in den Meierhof umziehen und dort mithelfen. Die erste Zeit nach der Besetzung der Häuser mussten die rechtmäßigen Eigentümer noch bei den Erntearbeiten mithelfen, jedoch bereits unter Anleitung und Kontrolle der Tschechen. Katharina kam nach Dedice. Dort wurde sie von 1945 bis 1946 in der Landwirtschaft eingesetzt. Dann, am 7. August war es so weit. Ausgesuchte Familien wurden ins Sammellager nach Wischau, und von dort weiter ins Sammellager Brünn gebracht, auch die Familie Apostol war dabei.
Vertreibung: Der schmerzliche Weg aus der Heimat in eine ungewisse Zukunft ging von Kutscherau über Wischau – Brünn – Prag – über die Grenze Furth im Walde –Regensburg – nach Karlsruhe. N = Nemec, diese Bezeichnung, die jeder Deutsche gut sichtbar tragen musste, war jetzt nicht mehr nötig und wurde von den meisten Leuten sofort aus dem Zug geworfen.
Integration in Deutschland: Am 15. August 1946 „ Fest Maria Himmelfahrt“ traf die Familie Apostol in Karlsruhe ein. Sie blieben mit ihrem kärglichen Hab und Gut bis zum nächsten Tag im Zug. Am 16. August wurden sie dann schließlich ausgeladen und in eine Kaserne verfrachtet. 14 Tage lebten sie dort, dann wurden sie auf einzelne private Familien aufgeteilt. Die Familie Apostol kam nach Grötzingen in eine Schule. Ein Klassenzimmer teilten sich mehrere Familien; jede Familie steckte ihr Revier mit einer Decke ab. Das Essen wurde von Frau Völkle gekocht und musste auch dort gegen Essensmarken abgeholt werden.
Nachdem die im Nachbarzimmer einquartierten Jugoslawen bald abzogen, übernahmen die Sprachinsler deren Kochweise. Über Löcher wurden Eisenstangen gelegt, damit dort in einem Topf das Essen gekocht werden konnte. An diese Zeit erinnert sich Katharina immer nur „an großen Hunger“. Nach ungefähr drei Wochen wurde der Familie bei einem Bauern ein Hinterzimmer, gedacht für Katharina‘s Großmutter und Eltern, zugewiesen. Dieses Zimmer musste sowohl zum Schlafen als auch zum Wohnen genützt werden. Die Kinder waren bei einem anderen Bauern untergebracht, gegessen wurde jedoch bei den Eltern. Schon bald darauf hatte Katharina großes Glück. Sie fand im September 1946 Arbeit bei der Firma Müller, in der Sortierung, im Lager und noch anderen niederen Bereichen. Die Firma Müller montierte Flugzeuge ab und verschmolz sie in einer Gießerei. Der Wochenverdienst lag bei 20 Mark.
Bei diesem Arbeitsplatz lernte Katharina ihren späteren Mann Karl Witzemann, geboren in Durlach, kennen. Er plante gerade zu dieser Zeit seinen Umzug nach St. Etienne, Frankreich, weil dort Facharbeiter gesucht wurden. Katharina überlegte nicht lange und folgte spontan Ihrem Karl nach. Sie fand auch sofort Arbeit bei einem Bauern bei Lion. Sie erlernte zur Verständigung auch bald die französische Sprache.
Karl und Katharina heirateten am 14. Februar 1949 in Frankreich. Zwei ihrer vier Kinder wurden dort geboren. Nach sieben Jahren Aufenthalt in Frankreich ging die junge Familie jedoch wieder in ihre deutsche Heimat Durlach bei Karlsruhe zurück.
Die Familie vergrößerte sich weiter und Katharina war nur noch Hausfrau und Mutter aus Leidenschaft. Vier Kinder forderten von ihr viel Einsatz:
Karl, geboren am 14.10.1950 in Frankreich
Elfriede, geboren am 12.01.1952 in Frankreich, gestorben am 6.11.1991 in Durlach
Herbert, geboren am 13.07.1955 in Durlach
Heidi, geboren am 30.06.1958 in Durlach
Den Ruhestand verbringt Katharina in Ihrem Haus in Durlach, welches sie sich mit einem Sohn und dessen Familie teilt. Sie ist auch im hohen Alter noch in vielen Bereichen tätig, empfängt gerne Gäste und wenn es um die heimatlichen Wischauer Belange geht, ist sie immer vorne mit dabei.
Die Erinnerungen an Kutscherau sind auch heute noch so lebendig, als ob die Vertreibung erst vor kurzem gewesen wäre.
Seit 1945 war Katharina schon öfters in ihrer früheren Heimat. Ihr Herz schlägt höher, wenn sie dort ist und auf den Spuren ihrer Jugend wandert, doch richtig zu Hause fühlt sie sich in Durlach, wo sie die meisten Jahre ihres Lebens verbracht hat u n d wo sie ihre große Familie immer um sich hat. (Interview mit Katharina Witzemann 2009, aufgeschrieben von Rosina Reim)
Wissenswertes über Tage – Wochen – Monate
Die Sterne am Firmament begleiteten den Menschen in seiner Entwicklungsgeschichte. Eine zentrale Rolle in dessen frühen Wahrnehmung nahmen der Mond und die Sonne ein. Sie wurden zur Basis der späteren Einteilung eines Jahres (Sonnendurchgang 365 Tage) und der Monate (Monddurchgang 29,5 Tage). Bereits die Babylonier und Ägypter waren fähig, eine astronomische Berechnung des Jahreskreises durchzuführen. Im Jahr 46 v.Chr. übernahm Gaius Julius Caesar den altägyptischen Kalender für das römische Reich, der das Jahr in 365,25 Tage einteilte und alle 4 Jahre ein Schaltjahr vorsah.
Das „römische“ Jahr hatte 12 Monate, wovon unsere Monatsbezeichnungen noch herrühren: März (Mars), April (aprire = öffnen, aufschließen), Mai (Maya, die Mutter Merkurs), Juni (Juno, die Gemahlin Jupiters), Juli (Julius Cäsar, zuvor Quintilis), August (Kaiser Augustus zuvor Sixtilis), September (sieben), Oktober (acht), November (neuen), Dezember (zehn), Januar (Gott Janus), Februar (februare = reinigen). Die Wochentage wiederum waren den damals bekannten Gestirnen des Sonnensystems bzw. den dazugehörigen Göttern zugeordnet. Sonntag (Sonne), Montag (Mond, ital. Lunedi), Dienstag (Mars, ital. Martedi), Mittwoch (Merkur, ital. Mercoledi), Donnerstag (Jupiter, ital. Giovedi), Freitag (Venus, ital. Venerdi), Samstag (Saturn, engl. Saturday).
Über 1600 Jahre war der julianische Kalender Grundlage für die Jahreseinteilung Europas. Wichtige Feiertage darin wurden christlich um symbolisiert oder neu eingeführt, z.B. das Osterfest auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Da der julianische gegenüber dem natürlichen Sonnenjahr um 0,0078 zu lang war, baute sich eine erkennbare Abweichung zwischen natürlichem Sonnenkreis und kirchlichem Festkreis auf. Im 16. Jahrhundert betrug diese bereits 10 Tage. Daher führte Papst Gregor XIII im Jahr 1582 eine umfassende Kalenderreform durch. Der neue gregorianische Kalender galt zunächst nur für die katholischen Länder, im 18. Jahrhundert schlossen sich die protestantischen Staaten an, in den nichtunierten Ostkirchen blieb weitestgehend der julianische Kalender bestehen. (Thomas Janschek)
Auf Spurensuche
Da entschließt sich ein junger tschechischer Lehrer, ganz allein auf sich gestellt, angeregt durch einen Dokumentarfilm des tschechischen Filmemachers David Vondracek über tschechische Nachkriegsverbrechen an Sudetendeutschen („Töten auf tschechisch“), eine Fahrradtour zu organisieren zu Orten tschechischer Gewaltverbrechen an Deutschen. Er nimmt nicht nur jüngere Tschechen mit, sondern auch ältere Sudetendeutsche, sozusagen als Zeitzeugen, die berichten können, wie es damals war.
Diese Spurensuche findet auch anderweitig statt, so z.B. durch „JUKON“, die Jugendorganisation der deutschen Minderheit in der Tschechischen Republik, gemeinsam mit der tschechischen Vereinigung „Antikomplex“. Beide schreiben jährlich Radwanderungen auf den Spuren der vertriebenen Sudetendeutschen aus. Auch der „Heiligenhof“, die sudetendeutsche Bildungsstätte in Bad Kissingen, führt jährlich derartige Spurensuch-Seminare durch – in diesem Jahr z.B. Ende Oktober in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der SL im Böhmerwald.
Aber es gibt auch viele private Unternehmen zur „Spurensuche“: Großeltern, die mit ihren Kindern oder ihren Enkeln dorthin fahren, wo sie herkommen, von wo sie vertrieben wurden, um ihnen zu zeigen, wo ihre Wurzeln sind. Dabei gilt es freilich, über die eigene enge Herkunft hinaus das Augenmerk auch auf das Umfeld zu richten, auf die Denkmäler und Zeichen des früheren deutschen Charakters der Landschaft und der Orte, auch an jene Orte zu gehen, an denen noch die Spuren verschwundenen Lebens und ehemals blühender Dörfer zu sehen sind.
Waren Sie schon einmal mit Kindern oder Enkeln „daheim“? Wenn nicht, dann wäre es dringend notwendig! Denn nichts verschafft mehr bleibende Eindrücke als der Augenschein, die „Spurensuche“! Horst Löffler
Bildung einer Ortspolizei in Hobitschau im Jahr 1908
Die "Dreikaiserschlacht bei Austerlitz"- in unmittelbarer Nähe unserer angestammten Heimat - ist allseits bekannt. Weniger bekannt ist, dass im Schloss-Austerlitz historische Dokumente archiviert sind. Amtsbücher, Buchhaltungsbücher, Einzelakten u.a.m. ist dort einzusehen, fast alles in Sütterlin-Schrift geschrieben. Ganz interessant fand ich das Protokoll Nr. 16, "Bildung einer Ortspolizei". Heute kaum vorstellbar, wie auf kommunaler Ebene damals Nachtruhestörung und öffentliches Ärgernis geregelt wurden. Es gab noch keinen Strom, keine Straßenbeleuchtung, Petroleumlampen und Kerzen waren die Lichtquellen für Haus und Hof. Der Nachtwächter patrouillierte mit der "Sturmlaterne" (windgeschützte Petroleumlampe) durch das Dorf.
Wie im Protokoll zu lesen ist, wurde wegen "Nachtruhestörung und Öffentliches Ärgernis" geklagt. Ein "Polizeiorgan" solle für Ruhe und Ordnung sorgen.
Nachtwache-Verordnung gab es auch während des Krieges. Männer ab 16 Jahren, die noch daheim waren, mussten den Nachtwächter unterstützen. Es mussten 2 Männer 4 Stunden lang, von 21 bis 1 Uhr, die Nachtwache im Ort übernehmen, dann wurde der Gemeindediener, der zugleich Nachtwächter war, geweckt. Er übernahm dann die Wache bis früh. Auch wir mussten bis zur Einberufung "Nachtwache" schieben. Besonders zu beachten war die "Allgemeine Verdunkelung", die damals bei Nichtbeachtung strafrechtlich verfolgt werden konnte. So streng ging es allerdings 1908 nicht zu, dennoch war es laut Gemeindeausschuss notwendig, einen Ortspolizisten zu benennen.
(Originalabschrift des Protokolls)
Protokoll Nr. 16, aufgenommen bei der Sitzung des Gemeindeausschusses in Hobitschau am 17. Oktober 1908 unter dem Vorsitz des Gemeindevorstehers Mathias Gräupel. Anwesend: Der Gemeindeausschuss vollzählig. Gegenstand bildet die Beratung und Beschlussfassung der Bildung einer Ortspolizei.
Der Gemeindevorsteher Mathias Gräupel brachte es dem Gemeindeausschuss zur Kenntnis, dass mit dem heutigen Tage die Polizeisperrstunde in den beiden Gasthäusern und auf der Gasse, um 10 Uhr abends angeordnet wurde, und begründet diese Anordnung folgendermaßen:
Nachdem es im laufenden Jahre öfter vorgekommen ist, dass sich die Jugend Musikunterhaltungen erlaubte, ohne sich vorerst die Bewilligung einzuholen, und, dass eine solche wiederholt am 15. September des Jahres im Gasthaus des Paul Mandl abgehalten wurde, welche bis 2 Uhr nachts dauerte und vom Gastwirten Mandl erlaubt worden ist, ohne vorerst um die vorgeschriebene Bewilligung beim Gemeindeamte einzuschreiben.
Ferner wurde in der letzten Zeit oft die nächtliche Buhe im Orte gestört und deshalb wurden darüber Klagen beim Gemeindevorsteher eingebracht.
Am 4. Oktober ist es wiederholt vorgekommen, dass mehrere Burschen um 11 Uhr nachts aus dem Gasthause des Paul Mandl kommend, im Orte auf und abzogen, herausfordernde Lieder, unter anderen auch das tschechische Hetzlied „Hrom a Peklo“ sangen und dabei an der Gassenmauer des Gemeindegasthauses kleine Notdurft verrichteten. Dadurch wurde die nächtliche Ruhe gestört und ein öffentliches Ärgernis hervorgerufen. Derartige Zustände können und dürfen nicht länger geduldet werden und der Einfluss des Gemeindedieners zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung ist unzureichend.
Nachdem die seitens der Bewohnerschaft vorgebrachten Klagen länger nicht unerfüllt bleiben können und in Erwägung dessen, als der Gemeindediener allein zur Verhinderung und „Hintanhaltung“ aller, in letzter Zeit vorgekommenen Ausschreitungen nicht ausreicht, so stellt der Gemeindevorsteher den Antrag, der Gemeindeausschuss wolle zum Zwecke der „Hintanhaltung“ der in letzter Zeit vorgekommenen Ruhestörungen in seiner heutigen Sitzung die Einführung einer Ortspolizei beschließen.
Dieser Antrag wird nach einer längeren und eingehenden Besprechung dieser Angelegenheit, an der sich alle Mitglieder beteiligten und von denen die Notwendigkeit der Einführung einer Ortspolizei nur zu gut anerkannt wird, auch einstimmig zum Beschlusse erhoben und Anton Janecek, welcher auch gleichzeitig Mitglied des Gemeindeausschusses ist, mit dem Amte eines Polizeiorganes betraut.
Nach Vorlesung geschlossen und gefertigt, Mathias Gräupel Gemeindevorsteher (eingereicht von Martin Haschka)
Zwetschgen-Striezal
Zutaten für den Teig: 400 g Mehl, 2 Esslöffel Öl, ¼ Liter Milch, 1 Esslöffel Zucker, 1 Päckchen Hefe, 1 gestrichener Teelöffel Salz
Zutaten für die Füllung: Zwetschgen, Butter, Mohn-Zucker-Gemisch
Zubereitung: Milch und Hefe gehen lassen, dann alle Zutaten zu einem Teig verarbeiten und wieder gehen lassen. Das Nudelbrett gut mit Mehl bestreuen und dann aus dem Teig mit Löffeln Stückchen abstechen. Zwetschgen waschen, trocknen und entsteinen. Man kann auf Wunsch ein Stückchen Würfelzucker in die Zwetschgen legen. Die Zwetschge mit dem Teig umhüllen und wieder gehen lassen.
Inzwischen einen Topf mit heißem Wasser vorbereiten, ein Tuch darüber spannen und das Tuch mit einem Gummiband festmachen. Die Knödel nicht zu eng nebeneinander auf das Tuch legen und mit einer Schüssel abdecken. Die Striezal ca. 10 Minuten bei kochendem Wasser garen, anschließend etwas auskühlen lassen. Die Striezal mit heißer Butter bestreichen und mit gemahlenem Mohn-Zucker-Gemisch bestreuen.
Man kann die Striezal auch in einer Kasserole nebeneinander setzen, etwas Wasser dazugeben und im Backofen ausbacken. Anschließend ebenfalls mit Butter bestreichen und mit einem Mohn-Zucker-Gemisch bestreuen. Guten Appetit wünscht Elisabeth Butschek, genannt Mrkwitz Lisa aus Kutscherau
Trachten der Heimat - Das Kleid der öffentlichen Brauchtumspflege
Im Sudetendeutschen Haus in München war im Monat August die Ausstellung „Trachten der Heimat“ zu sehen. Die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Frau Dr. Finger, stellte mehrere Originaltrachten und Fotografien von Trachtenensembles aus Böhmen und Mähren vor. Die Zielsetzung der Ausstellung war, dass sich die sudetendeutschen Trachten einer ungebrochenen Wertschätzung in allen Altersklassen der Landsleute erfreuen und einen nicht wegzudenkenden Teil der gegenwärtigen Brauchtumspflege darstellen, so Dr. Finger. Sie erklärte weiter in diesem Zusammenhang zur Bedeutung und Aktualität der Trachten der Sudetendeutschen: „Die Tracht, wie sie heute getragen und gepflegt wird, ist ein bewusstes Bekenntnis zur überlieferten kulturellen Identität und kein Selbstzweck. Sie ist das Kleid der öffentlichen Brauchtumspflege. Sie braucht Gemeinschaft. Je aktiver die Gemeinschaft ist, um so „lebendiger“ ist die Weiterentwicklung. Tracht ist Ausdruck von Kleidungskunst!“ Anders als die modische Kleidung, die dem Diktat des Marktes und den finanziellen Zwängen der Textilindustrie unterworfen und daher kurzlebig sei, bekunde die Tracht den Willen, wertbeständig zu sein. Schon damit falle sie aus dem Rahmen des Üblichen heraus. Sie materialisiere Ansprüche auf hohe Qualität und auf landschaftlich-historisch entstandene Vorstellung von Schönheit. „Tracht ist mehr als individuelle Stilisierung durch Kleidung. Sie ist ein Zeichen von freiwilliger Verbundenheit zu einer bestimmten Gruppe, die für Kontinuität und Kulturpflege steht“, so Dr.
Karlsbader Oblaten
Im Rechtsstreit um die Bezeichnung Karlsbader Oblaten hat die traditionsreiche sudetendeutsche Firma Wetzel im bayerischen Dillingen einen wesentlichen Teilerfolg erzielt. Der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und CSU-Europaabgeordnete Bernd Posselt, der die Firma Wetzel und andere sudetendeutsche Erzeuger in ihrem siebenjährigen Kampf um diese Spezialität massiv unterstützt hatte, reagierte auf Meldungen, wonach ein Expertenausschuss nationaler Beamter aus allen 27 EU-Mitgliedsstaaten die tschechische Bezeichnung dieses Produkts ausschließlich für tschechische Hersteller reserviert habe – gegen die Stimme des deutschen und des österreichischen Vertreters. Posselt präzisierte, dass unter den fachkundigen Europapolitikern die - inzwischen von der EU-Kommission bestätigte - Rechtsauffassung vorherrsche, dass der deutsche Begriff Karlsbader Oblaten davon nicht berührt werde, sofern er, wie bei der Firma Wetzel, als Marke eingetragen worden sei. Hinzu komme, dass „Karlsbader Oblaten“, als Gattungsbezeichnung für eine traditionelle sudetendeutsche Spezialität angesehen werden müsse. Dies solle nun politisch und juristisch festgeklopft werden: "Man kann Menschen nicht einfach aus der Heimat vertreiben und ihnen
dann noch 65 Jahre später ihre einzigartigen Spezialitäten nehmen, die nirgends so qualitätsvoll hergestellt werden wie in Dillingen." Posselt dankte dem Freistaat Bayern, der deutschen und der österreichischen Bundesregierung für ihre Rückendeckung bei dieser heiklen EU Entscheidung. Einer Sprecherin der Regionalvertretung der EU-Kommission in München zufolge, dürfen Hersteller, die nicht über eine Markenregistrierung wie die Firma Wetzel verfügen, die Bezeichnung „Karlsbader Oblaten“ ebenfalls noch fünf Jahre lang führen. Darüber hinaus können alle Produzenten prüfen lassen, ob es sich bei „Karlsbader Oblaten“ um eine Gattungsbezeichnung handelt, die als solche geschützt wird, was nicht nur der Dillinger Firma zugute käme. Zuständig wären die Gerichte in Deutschland und Österreich. Presse Sudeten
"Aufarbeitung der Familiengeschichte in der 2ten Generation - Dank an die WHB-Leser-
Wer von uns findet in seiner Fotosammlung nicht Bilder, die er nicht zuordnen kann. So zeigte sich auch bei unserer Durchsicht der elterlichen Foto-Hinterlassenschaft so manche unbekannte Personen, die in einer längst vergangenen Zeit gelebt haben musste. Dabei wurde uns die Frage bewußt - waren dies Vorfahren von uns? Um diese Frage zu beantworten war es naheliegend zunächst die noch lebenden älteren Verwandten zu diesen Fotos zu befragen. Es war wirklich bemerkenswert was diese Generation noch zu diesen Fotos erzählen konnte. Ermuntert durch diese positive Erfahrung wuchs das Bedürfnis noch mehr über unsere Vorfahren, die auch aus der Wischauer Heimatinsel stammten in Erfahrung zu bringen - war es vielleicht möglich einen Stammbaum für unsere Familie zu zeichnen? Von diesem Gedanken inspiriert veröffentlichte ich in den letzten Ausgaben des WHB meine Bitte um Unterstützung bei der Recherche zu unserer Familiengeschichte. Für die positiven Anregungen, die ich von den Lesern des WHB und von der Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel e.V. bekommen habe möchte ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanken. Diese Anregungen ermöglichten nicht zu letzt auch neue Rechercheansätze zu bereits aufgegebenen Vorfahrenlinien.
Diese Aufarbeitung zeigte auch, dass die vorhandenen familiären Bilder einen großen Kulturschatz insbesondere der Vertriebenen darstellen. Aus der eigenen Erfahrung heraus zeigte sich, dass dieser Kulturschatz mit dem Verschwinden der älteren Generation praktisch wertlos wird. Denn die Namenszuordnung der auf den Bildern abgebildeten Personen erfolgt nur aus dem Gedächtnis der älteren Generation. Wünschenswert für jede Familiengeschichte wäre es, wenn die konkreten Namensangaben auf der Rückseite der Bilder handschriftlich vermerkt würden. Nur dies ermöglicht es der nächsten und übernächsten Generation diese historischen Bilder in ihrem vollen Umfang zu nützen.
Zusätzlich wurde bei der Untersuchung der vorhandenen Fotodokumentationen deutlich, dass diese historischen Foto-Bilder, die bis zur Jahrhundertwende 1800/1900 zurückreichen einem unwiederbringlichen Verfall unterliegen. Auf diesem Hintergrund möchten wir der älteren Generation anbieten, dass wir eine elektronische Archivierung ihrer persönlichen historischen Bilder, die im direkten Zusammenhang mit der Geschichte der Wischauer Sprachinsel stehen im nächsten Jahr durchführen. Diejenigen, die hieran Interesse haben wenden sich bitte bereits jetzt direkt an Rosina Reim, entweder per Post oder per Telefon 089838137 Günther Hackspacher
Vereinsnachrichten WHB 5/2011
Tanzproben
In Fachsenfeld finden in Zukunft auch die Proben für unsere Tanzgruppe statt. Es wäre schön, wenn interessierte Personen dazu kommen würden. Bitte erkundigen Sie sich bei uns nach dem nächsten Termin. RR
Vor der Mitgliederversammlung nach Fachsenfeld
Wer unsere neuen Räumlichkeiten noch nicht kennt, hat dazu am 22 Oktober 2011 von 10.00 bis 13.00 Uhr die Möglichkeit. Wenn auswärtige Personen dort auch etwas essen möchten, bitten wir um Anmeldung entweder bei Resi Hross, Telefon 07361 32860 oder Rosina Reim Telefon 089 838137 RR
Grenzüberschreitend
Die Firma Teppich-Wash-Center A. Kriwy in Feldafing hat es einem Studenten aus der ehemaligen Wischauer Sprachinsel ermöglicht, während der Semesterferien in seiner Firma zu jobben. Für beide Seiten war es eine gute Erfahrung. RR
MR Dieser Hausgiebel gehört zur ehemaligen Swonowitzer Gaststätte „Auge Gottes“. Hier sind die beiden Buchstaben „MR“ angebracht. Wer kann dazu nähere Angaben machen, wer hat dieses Haus ge- bzw. umgebaut und was heißt „MR“?? (Rückmeldungen bitte an Rosina Reim)
Termine:
9. Oktober Tag der Heimat, Wasseralfingen, Auftritt
22. Oktober Mitgliederversammlung
19. – 20. November 18. Wischauer Seminar
Spruch des Monats
Kritisieren und verurteilen kann jeder Narr – und tut es auch.
Verständnis haben und verzeihen aber erfordert Charakter und Selbstdisziplin. (Dale Carnegle, US-Autor)
Wir gratulieren Herrn Anton Soutschek zum
90. Geburtstag
von ganzen Herzen und wünschen ihm alles Gute, viel Glück, Freude und besonders Gesundheit.
Er hat sich von Beginn an als Vorstandsmitglied für unsere Gemeinschaft eingesetzt und dafür gebührt ihm unser herzlichster Dank und unsere Anerkennung.
2. November 2011 Rosina Reim, Vorsitzende
Eine Smaragdhochzeit gibt’s erst nach 55 Jahr,
die zu erleben ist schon wunderbar.
Dass wir Beide noch so munter
ist ein Gottes Geschenk,
und der hat uns mit seiner Güte,
schon viele Jahre gelenkt.
Dafür möchten wir dankbar sein
und uns so lange es geht des Lebens freuen!
Hilde Marischler-Goll
Unsere Gemeinschaft wünscht dem Ehepaar Heinz und Hilde Goll zu ihrer Smaragdhochzeit nachträglich von Herzen alles Gute und noch viele schöne und gesunde Jahre in steter Zweisamkeit.Rosina Reim, Vorsitzende
Wir trauern um Frau Ludmila Lokajova, die Im Juli 2011 mit 57 Jahren in Letonice verstorben ist. Frau Lokojova war beim Dekanat in Austerlitz beschäftigt. Sie war zuständig für die Renovierung der Kutscherauer Kirche. Ohne ihre Hilfe wäre es uns nicht gelungen, die vielen Gelder zu mobilisieren. Wir haben ihr viel zu verdanken und haben uns mit einem Blumengruß, von ihr verabschiedet. Interessengemeinschaft Kutscherauer Kirche: Matthäus Wittek, Johann Rolny, Josef Legner
Auszug der Ausgabe 4 - 2011
Der Sudetendeutsche Tag in Augsburg vom 10. bis 12. Juni 2011 stand unter dem Motto „Dialog und Wahrheit – Nachbarschaft gestalten“.
Viele Redner, besonders aber der bayerische Ministerpräsident und Schirmherr der Sudetendeutschen, Horst Seehofer, sprachen in ihrer Rede ein Lob für die Leistungen der Vertriebenen aus. Die Sudetendeutschen hätten sich trotz des Verlustes der Heimat nicht radikalisiert, sondern Wahrheit und Versöhnung gesucht. Des Weiteren kündigte er einen wiederholten Besuch in Tschechien an. Er unterstützt auch das Bemühen um einen sudetendeutschen Vertreibungsgedenktag und nannte als Datum den 5. August, den Tag, an dem 1950 die Charta der deutschen Heimatvertriebenen unterzeichnet wurde. Außerdem werden finanzielle Mittel für das sudetendeutsches Museum in München zur Verfügung gestellt.(Alle Reden unter www.sudeten.de) Unsere Gemeinschaft war auch dieses Jahr wieder mit einem Stand in den heimatlichen Werkstätten vertreten. Wie immer wurde der Stand von Rosina und Willi Reim, die bereits am Freitag anreisten, liebevoll dekoriert. Dieses Jahr wurde das Augenmerk besonders auf alte DIN-A-3 große Fotos gelenkt. Jedes Bild hat seine eigene, ganz persönliche Ausstrahlungskraft und viele Besucher blieben davor stehen, um alles auf sich wirken zu lassen. Manch einer schmunzelte im Vorbeigehen auch über den Spruch auf einem Original-Wandbehang: „Im süßen Schlummer, vergiss allen Kummer“. Dank der eifrigen Kuchenbäckerinnen fanden die Besucher eine große Auswahl an Wischauer Gebäck und sonstigen Spezialitäten vor - verschiedene Handarbeiten und selbst gemachte Marmeladen bereicherten zusätzlich das Sortiment.
Den international angereisten Gäste sowie unseren Freunden, Bekannten und Trachtenexperten, die immer wieder zu uns kommen, konnten wir stets Rede und Antwort stehen und so unsere Sprachinsel mit ihrem reichhaltigen Brauchtum und der ganz speziellen Tracht gut vertreten. Anneliese Kästl / RR
Trachten bringen neue Farbtupfer auf die Insel Mainau
Viele bunte Trachten gab es beim 1. Internationalen Bodensee-Trachtentag mit rund 2500 aktiven Trachtenträgern auf der Insel Mainau zu sehen. Mit ihren farbenprächtigen Trachten bildeten sie eine passende Ergänzung zur aktuellen Blütenpracht auf der Blumeninsel. Genau 80 Gruppen aus Österreich, der Schweiz sowie Bayern und Baden-Württemberg waren hier vertreten. Gottfried Rohrer, Vorsitzender des veranstaltenden Landesverbandes der Heimat- und Trachtenverbände Baden-Württemberg betonte in seiner Rede, dass „die Pflege der traditionellen Trachten ein lebendiges Beispiel dafür sei, was aus einer anderen Zeit in die Gegenwart übertragen wurde, eine bis heute bewährte Kleiderordnung. Es ist wichtig, dass die Trachtenträger ihr Hobby in der Öffentlichkeit präsentieren, in das sie viel Begeisterung und Arbeit stecken. Diese Kleidung müsse getragen werden, um die Erinnerung daran lebendig zu erhalten. Ins Museum gehörten nur Originale, deren Erhalt sonst gefährdet wäre. www.bodenseeferien.deEin Umzug, der die Trachtenträger rund um die halbe Insel führte, bildete den Auftakt des bunten Reigens. Am frühen Nachmittag zeigten die teilnehmenden Gruppen bei herrlichem Sonnenschein an verschiedenen Stellen Ihr persönliches Programm - bis plötzlich heftiger Regen das Freiluft-Vorführprogramm mit Volkstänzen, Schuhplattlern, Gedichtvorträgen und Konzerten störte. Für uns Wischauer Teilnehmer war es ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Wir waren mit unserer Originaltracht überall dabei und fanden viele begeisterte Zuschauer, die sich für unsere Herkunft interessierten. RR
Versöhnungsmedaille
am 18. Juni verlieh die Ackermann-Gemeinde im Stadttheater Prachatitz an Kanonikus Monsignore Anton Otte die „Versöhnungsmedaille der Ackermann-Gemeinde“. Mit der Auszeichnung soll das langjährige, unermüdliche und segenreiche Wirken von Otte für eine die Wunden der Vergangenheit heilende Versöhnung und für ein neues deutsch-tschechisches Miteinander gewürdigt werden. In beiden Kulturen beheimatet, hat er in besonderer Weise, gerade in den sehr turbulenten 1990er Jahren, zum gegenseitigen Verständnis von Deutschen und Tschechen beigetragen und wesentlich dabei mitgewirkt, dass die Chancen, die sich durch den Fall des Eisernen Vorhangs ergaben, von Kirche und Gesellschaft genutzt wurden. Anton Otte, 1939 in Weidenau geboren, verließt 1960 als Spätaussiedler die kommunistische Tschechoslowakei, um Theologie studieren zu können. 1967 wurde er in Bamberg zum Priester geweiht und wirkte unter anderem als Dekan für die Gefängnisseelsorge in Bayern. Michael Erhart
Monsignore Otte pflegt auch seit vielen Jahren gute Beziehungen mit unserer Gemeinschaft und wir freuen uns mit ihm über diese Auszeichnung.
Die Tracht als Kleid der Heimat
In der Galerie UBO NEUN in München-Aubing wurde von Anfang bis Mitte Juni eine Ausstellung mit Trachten- und Trachtenzubehör präsentiert. Frau Veronika Schmidt konzipierte die Ausstellung und vermittelte dabei kenntnisreich, welche kulturellen Besonderheiten jeder Tracht zugrunde liegen. Zu sehen waren handgefertigte Trachten aus dem deutschen Sprachraum aus unterschiedlichen Epochen und Himmelsrichtungen. Warum ist die Trachtenpflege so wichtig? Mit der Trachtenpflege werden Kleider-Traditionen vermittelt und dem Land wird ein Gesicht gegeben, so Otto Dufter. Die Wischauer Tracht war in ihrer ganzen Bandbreite mittels original gewandeten Trachtenpuppen zu sehen. Bei unseren Frauenschuhen wurden in einer großen Vitrine die vielen Details und Besonderheiten herausgehoben, die immer wieder besondere Beachtung finden. Ein alter Brautgürtel, datiert auf Anfang des 19. Jahrhunderts, viele Handarbeiten und Trachtenstücke ließen die bunte Vielfalt der Wischauer Tracht erkennen und viele Besucher interessierten sich für unsere ca. 100 ausgestellten Exponate! RR
Sudetendeutsches Kulturerbe vereint im Internet
Für eine grenzüberschreitende Online-Bibliothek werden in Tschechien gerade 11000 Kirchenbücher und 90000 historische Fotos eingescannt. Auch deutsche Archive stellen sudetendeutsches Kulturgut ins Internet.
Mehr als 60 Jahre nach der Vertreibung soll das auseinandergerissene Kulturerbe der Sudetendeutschen wieder vereint werden. Auf einer gemeinsamen Plattform im Internet wollen bayerische und tschechische Archive historische Fotos, Urkunden, Chroniken und Kirchenbücher veröffentlichen. Beiderseits der Grenze können damit Lücken in Geschichtsschreibung und Forschung geschlossen werden.
Der Großteil der rund 145.000 Originale blieb nach dem zweiten Weltkrieg in der damaligen Tschechoslowakei. Andere Unterlagen gelangten mit den Vertriebenen nach Bayern. Im Staatlichen Bezirksarchiv im westböhmischen Eger zeugen über die Hälfte der Bestände vom einstigen deutschen Kulturgut. Etwa 500Anfragen von Wissenschaftlern wie privaten Forschern erreichen das Archiv pro Jahr. Ihnen will Archivleiter Karal Halla einen weiten undumständlichen Weg künftig ersparen. „Im Internet können die Dokumente kostenlos und in Ruhe von zu Hause aus angesehen werden“, sagt er. „Die Archivalien bei uns werden dagegen geschont.“
Der praktische Nutzen ist indes nicht der ausschlaggebende Grund für das grenzüberschreitende Projekt. Der 35 Jahre alte Wissenschaftler gehört zu einer wachsenden Zahl junger Tschechen, die das verschüttete Wissen um die sudetendeutsche Kulturgeschichte wieder wachrufen möchten. Halla empfindet daher die geplante Online-Plattform als sehr wichtiges Projekt. Er will so menschlichen Schicksalen wie wertvollen Traditionen ein Forum geben. „Wir bemühen uns, die Dokumente objektiv zu präsentieren“, erläutert der Archivchef. „Jeder kann sich seine eigene Meinung dazu bilden.“
Im Original vorhanden sind in Westböhmen rund 11.000 Kirchenbücher mit Aufzeichnungen von Ende des 16. Jahrhunderts bis zum Kriegsende 1945. Sie werden ebenso eingescannt wie 1758 Orts-,Schul- und Vereinschroniken. Digitalisieren wird man in Eger außerdem 90.000historische Fotos.
Die Partner-Seite unter Federführung der Generaldirektion der Staatlichen Archive in München will noch einmal 40.000 Aufnahmen und weitere Chroniken beisteuern. Eingegliedert werden sollen außerdem die beiderseits vorhandenen Unterlagen über das Kloster Waldsassen in der Oberpfalz. Alleine rund 1.900 Urkunden gibt es dazu im Staatsarchiv Amberg. Aus Tschechien kommen Ergänzungen, denn Besitztümer des Klosters lagen einst auch auf dem Gebiet des heutigen Nachbarstaates. „Das Beispiel macht deutlich, wie irrelevant nationale Grenzen, in denen wir heute denken, bis ins 19. Jahrhundert waren“, sagte Michael Unger, der Sachgebietsleiter für Forschungsprojekte bei der Generaldirektion.
In München ist man deshalb froh, sudetendeutsche Archivalien künftig in ihrem Gesamtkontext darstellen zu können. Die Zusammenarbeit mit den tschechischen Kollegen nennt Unger völlig unkompliziert. „Diese fachliche Kooperation hat es vorher nicht gegeben. Sie ist für beide Seiten ein Gewinn.“ (Quelle: http://www.merkur-online.de/nachrichten/bayern-lby/sudetendeutsches Kulturerbevereint-internet-804714.html)
Fachsenfeld und seine Freunde
Am 9. und 10. Juli 2011 feierte die Gemeinde Fachsenfeld ihr Dorffest unter dem Motto „Fachsenfeld und seine Freunde“. Nach dem wir unser neues Domizil in der Alten Schule bereits bezogen haben, wurden auch wir zu diesem Fest eingeladen. Die Festivitäten begannen für uns mit einer Einladung an unseren Vorstand zu einem Empfang im Schlosspark. Zusammen mit einer ungarischen Gruppe aus Tatabanya zeigten wir uns in unseren Vereinstrachten. Die Gemeindevertreter von Fachsenfeld, die Schulleitung der Reinhard-von-König-Schule sowie unsere beiden „Patenonkel“, OB Martin Gerlach und Alt-OB Ulrich Pfeifle begrüßten uns sehr herzlich. Bei guten Gesprächen im herrlich blühenden Schlosspark und strahlendem Sonnenschein war dies ein perfekter Auftakt für das beginnende Fest.
Beim abendlichen Auftritt mit Musik und Gesang präsentierten wir uns in unseren Originaltrachten. Neben den altbewährten Tänzen und zwei Liedern von Burgl und Hardl stellte Christine unsere Gruppe vor. Eine kurze Beschreibung der Trachten rundete unser Programm ab und es war festzustellen, dass die Besucher unserer Aufführung aufmerksam zuhörten.
Wir präsentierten uns ein drittes Mal am Sonntagvormittag beim Gottesdienst auf dem Dorfplatz. Die Frauen trugen zum Kirchgang die hohe Festtagstracht mit den Brautentüchern, und bestimmt ist es uns damit gelungen, die Fachsenfelder auf unser neues Wischauer Zentrum aufmerksam zu machen. CL/RR
Sommerzeit und Badezeit
An die Badezeit in meiner Kinder- und Jugendzeit in der alten Heimat in Rosternitz und weiter dann in Lultsch (Lulec) und Pistowitz denke ich noch so manches mal gerne zurück. Wir fühlten uns einfach frei, ohne Aufsicht, und erlernten so das Schwimmen in freien Gewässern. In meinem Heimatdorf gab es keinen Teich, sondern nur einen durch eine Wehr aufgestauten Bach, in welchem wir im Sommer Abkühlung und gleichzeitig Vergnügen fanden. Das war in der Mitte unseres Dorfes. Zur damaligen Zeit badeten nur die Buben im Dorfbach in der Öffentlichkeit. Für Mädchen ziemte es ich wohl nicht, der guten Sitte wegen - so musste es wohl gewesen sein – damals.
Wir Buben trugen in der warmen Jahreszeit schwarze, kurze Hosen und einen ärmellosen leichten Schwitzer (T-shirt) und gingen barfuß. Der aufgestaute Bach war nicht tief und man konnte auch gut und gefahrlos darin stehen. In den schlammigen Boden konnte man stehen und fand guten Halt. Es konnte also kaum einer von uns ertrinken. Da wir Buben damals noch keine Badehosen besaßen, also draußen im Dorf, badeten wir einfach nackt wie Gott uns geschaffen hat. Beim Ausziehen achteten wir peinlichst darauf, dass uns niemand zuschauen konnte. Die Schamgegend bedeckten wir dabei immer mit unseren damals noch kleinen Händen. Das Schwimmen (hunteln) brachten wir uns selber bei, oder lernten es von den schon größeren Buben. Auf jeden Fall fanden wir es erfrischend in dem nicht klaren Wasser. Es kam ja von den fruchtbaren Feldern aus Bohdalitz, Kutscherau, Hobitschau, Lissowitz, Swonowitz und Rosternitz und hatte etwas Farbe von den Äckern bekommen.
Eines Tages brachte von uns einer in Erfahrung, dass es in Pistowitz, nähe Ratschitz, einen großen Teich geben soll, wo man gut baden und schwimmen konnte. Schwimmen konnten wir ja nun schon, so dass wir keine Gefahr für Leib und Leben sahen. Gesagt, getan. Wir machten uns in der Gruppe an einem Sonntag zu Fuß auf den Weg. Wir überquerten zunächst die Kaiserstraße, gingen durch Lultsch, dann durch einen kühlen Wald und erreichten so den Pistowitzer Teich, der etwa sechs Kilometer von unserem Heimatdorf entfernt war. Vor unseren Augen lag er nun, der Pistowitzer Teich, der von der Größe her schon mehr ein See war. Wir staunten nur so über die Größe und erahnten nur die Tiefe voller Respekt. Ob wir auch Angst hatten, das weiß ich nicht mehr, denn um uns herum hörte man nur noch tschechische Laute.
Auf einem große Schild stand geschrieben: „Pistovicka Riviera“, was wohl ein wenig übertrieben schien. Letztlich war es nur ein naturbelassener großer Teich ohne jede Verhaltensordnung bzw. Regeln, Aufsicht und Verkaufsstand. Für uns Sprachinsler Buben war es damals ein Erlebnis in einem solch großen See mit klarem Wasser zu baden und andere Schwimmtechniken, die wir bisher noch nicht kannten, abzuschauen und zu erlernen. Über die uns unbekannte Tiefe machten wir uns respektvoll unsere Gedanken und wagten uns nicht allzu weit hinaus. Die Hosen ließen wir hier beim Baden an und ließen sie am Körper trocknen. Besonders gut erinnere ich mich noch an handgroße, ovale Muscheln, die wir stehend im Wasser mit den Füßen ertasteten und dann tauchend aus dem Wasser holten. Da aber unsere Kraft nicht ausreichte um sie zu öffnen, ließen wir sie wieder ins Wasser fallen. Auffallend war da für uns ein auf dem Tücken schwimmender dicker älterer Mann, dessen Bauch wie eine Halbkugel aus dem Wasser herausragte. Er machte keinerlei Schwimmbewegungen und schwamm trotzdem regungslos im Wasser. Wir gingen beim Versuch, es nachzumachen, jedes Mal unter. Am nahen Waldrand saßen immer tschechischeFamilien, die sich schon ihr Essen und Trinken mitbrachten und es sich zu Gemüte führten. Sie sangen auch zu einer Ziehharmonika ihre Volkslieder, was ich schön empfand. Man merkte, es waren Städter, die schon besser zu leben wussten. Der Pistowitzer Teich hatte es uns angetan und in der Folge des Sommers suchten wir ihn noch öfters auf.
Mittlerweile hatte man im Nachbardorf Lultsch einen Steinbruch mit Wasser volllaufen lassen und zu einem geordneten Schwimmbad ausgebaut, schon mit einem Becken für Nichtschwimmer und Kinder. Das kam uns sehr gelgen, denn der Weg dorthin war viel kürzer. Hier ragten aus einem großen Rund mächtige, steile Felswände ausd em Wasser heraus bis zu einer Höhe von zehn Metern. Von dieser Höhe sprangen junge, mutige tschechische Männer ins Wasser hinein, worüber wir Buben nur so staunten. In der Folge gingen wir nur noch nach Lultsch zum Baden, denn es gefiel uns dort, obwohl das Wasser eine Tiefe von etwa 10Metern hatte. Badehose war auch schon Pflicht. An das Baden im Dorfbach unseres Heimatdorfes dachte man nun nicht mehr. Es war halt schon fortschrittlicher in einem richtigen Bad, auch von der Hygiene her. So vergingen die Jahre und die Wirklichkeit holte uns ein, das Zeitgeschehen.
Deutschland besetzte im März 1939 die damalige Tschechoslowakei mit Einwilligung des damaligen Staatspräsidenten Emil Hacha, so hat man es publiziert. Deutsche Soldaten waren nun in Wischau am Flugplatz und auf dem Ziegenhügel stationiert. Am 1. September, noch im selben Jahr, brach dann der zweite Weltkrieg aus. Ich war damals fünfzehn Jahre alt und glaubte, nach den anfänglichen deutschen Siegen, an ein baldiges für Deutschland siegreiches Ende. Es kam dann aber alles ganz anders. Im Mai 1942 wurde ich, wie schon viele andere der Sprachinsler, zum Kriegsdienst eingezogen, nach Linz an der Donau. Begeistert war ich nicht. Es folgten Einsätze in Frankreich, Russland, Rumänien, Ungarn und Österreich, wo ich unversehrt das Ende des Krieges erlebte. Mit dem Baden in Pistowitz und Lultsch war es nun längst vorbei und das für immer, nach dem Verlust unserer Heimat, der Wischaur Sprachinsel. Gerne denke ich jedoch noch heute manchmal an die schöne, sorglose Kinder- und Jugendzeit, auch wenn sie nun schon viele Jahrzehnte zurück liegt. Die geliebte Heimat ging für uns für immer verloren. Wer von uns, die damals dort lebten, hätte das jemals gedacht. Hannes Legner, Rosternitz-Karlsruhe
Schicksalsjahre der Deutschen 1945 und 1946 in der Wischauer Sprachinsel (heute Tschechische Republik)
Im letzten Kriegsjahr, es war 1945, vor 66 Jahren: Die deutsche Nazi-Diktatur war fast vernichtet. Einige glaubten noch an eine Wunderwaffe und an einen Deutschen Sieg. Der letzte Fachlehrer an der Bürgerschule in Wischau, Herr Bögershausen, wurde zum Kriegseinsatz eingezogen. Wir hatten nur noch einen alten Direktor, eine Lehrerin und noch junge, noch nicht fertig ausgebildete Lehrerinnen. Herr Bögershausen war auch Jäger und hatte mehrere Waffen. Er sagte zu mir: „Du musst meine Waffen pflegen, mit Herrn Direktor habe ich schon gesprochen. Er wird Dir jede Woche oder jede zweite Woche eine Stunde vom Unterricht frei geben. Du weißt ja Bescheid, Dein Vater hat ja auch Waffen zuhause.“ Für die Pflege bekam ich ein Luftgewehr zur freien Verfügung und den Schlüssel zum Waffenraum. Herrn Bögershausen habe ich nie wieder gesehen.
Auch wir vom Jungvolk und der Hitlerjugend wurden von den Jungschar-, Jungzug- und Fähnleinführern für den Fronteinsatz gedrillt. Wenn man auch noch zusätzlich Ministrant war, der am Sonntagvormittag in der Kirche war und deshalb nicht zum Dienst erscheinen konnte, bekam einen Eintrag und wurde noch mit mehr Schliff bestraft. Wir waren drei Bauernbuben im Alter von 12 ½, 13 ½ und 15 Jahren und beschlossen diese Eintragungen zu vernichten. Es war sogar der Sohn vom Bürgermeister dabei. Wir nahmen zwei Äste und brachen damit die Tür zum Gerätehaus beim Sportplatz (Tramòk) auf und vernichteten alles was drin war. Die tschechische Gendarmerie verfolgte diesen Vorfall nur mit mäßigem Interesse. Meine beiden Freunde, die damals dabei waren, sind bereits gestorben. Ab jetzt erst, wissen es die Gundrumer, was vor 66 Jahren da passierte.
Eines Tages kam ein Parteibonze aus Wischau und verlangte vor der Gemeindeversammlung im Gasthaus die Flucht vor der Roten Armee. Die Fluchtwagen mit Plane waren schon laut Anordnung hergerichtet. Bei der Diskussion haben sich erst einige und dann die Mehrheit für das Verbleiben entschieden. Einige Familien, die mit ihren Töchtern flüchteten, wurden von Militzen abgefangen und kamen gleich ins Arbeitslager.
An einem Spätnachmittag ging ich in die Scheuer und hörte ein Rascheln im Stroh und bekam es mit der Angst zu tun. Ich habe gleich den Vater gerufen. Er stieg die Leiter zum Strohboden hinauf und fand einen fahnenflüchtigen rumänischen Soldaten. Der Soldat verstand etwas Deutsch. So hat ihm mein Vater zu verstehen gegeben, dass er nachts wieder weiter muss. Denn wenn er bei uns entdeckt wird, werden meine Vater und der Soldat gemeinsam erschossen. Der Rumäne wurde von meinem Vater nicht gemeldet und durfte fliehen. Mein Vater hatte als Jäger zwei 16-er Flinten, eine belgische Pistole und einen Karabiner. Im Pferdestall wurde aus der Außenmauer eine Nische raus gemeiselt und die Flinten wurden zum Schutz vor Raub dort eingemauert. Auch am Schüttboden wurde ein Raum zugemauert. Darin haben wir vieles versteckt; unter anderem auch einen Motor von der Motosulm – ein ca. 1932 gebautes Moped. Ob der Raum je gefunden wurde?
Die Front kam immer näher. Es war auch schon ein Volkssturm gegründet, bei der auch Jungen mit 15 Jahren dabei waren. Sie sollten mit den restlichen deutschen Soldaten die russischen Truppen aufhalten. Sie hatten eine „Pack“ und ein Pferd, das die kleine Kanone zog. Sie zogen sie Richtung Austerlitz – der Front entgegen. Ein Schulkamerad, der ein Jahr älter war als ich, kam mit einem Wadendurchschuss davon. Die anderen kamen zerstreut wieder nach Hause. Auch Fliegerangriffe der Amerikaner und Russen haben viel Unheil angerichtet. Den Luftangriff auf Brünn habe ich von weitem mit meinem Großvater erlebt. Wir gingen um ca. 6.00 Uhr zum Grasmähen, hörten ein Brummen und schauten zum Himmel. Hier sahen wir silberglänzend im Sonnenlicht hunderte Flugzeuge, so groß wie eine halbe Streichholzschachtel, Richtung Brünn fliegen. Mein Großvater sagte sogleich: „Wir müssen uns auf den Boden legen, es fliegen gleich die Schrapnell (Splitter) „ Großvater wurde im ersten Weltkrieg von Splittern getroffen und sah deswegen auf dem linken Auge nur noch wenig. Brünn war von Gundrum ca. 23 km entfernt. Es dauerte nur wenige Minuten bis in Brünn das Inferno der Zerstörung losbrach und vielen den Tod brachte.
Ein weiterer Angriff erfolgte durch russische Flieger auf eine Artilleriestellung der Deutschen, oben am Reiterberg – unser damaliger Berg zum Schlittenfahren. Die komplette Artilleriestellung wurde vernichtet. Wir Buben haben alles vom Brünnel aus – von einem bewachsenen Hang – beobachtet, denn wir hatten keinen Schulunterricht. Am anderen Tag gingen wir Jungs zu der Artilleriestellung, da wir sehr neugierig waren. Wir fanden noch nicht explodiertes Pulver. Es waren Röhrchen von ca. 20 cm Länge. Wir wickelten mehrere Pulverstäbe in Papier, verschnürten es und zündeten es an einem Ende an. Wie hielten es in der Hand und ließen es wie Raketen fliegen. Es machte uns sehr viel Spaß und wir merkten nicht wie leichtsinnig und unvernünftig es war. Auch in Lultsch wurde ein Deutscher Munitionszug, der Nachschub für die kämpfenden Truppen bringen sollte, von Fliegern vernichtet. Die Detonationen hörte man kilometerweit.
Einen russischen Angriff auf Grundum erlebte ich so: Meine Mutter und ich waren im Hof, als wir Flugzeugmotorenlärm hörten. Mutter sagte zu mir: „Komm schnell in den Keller!“ Ich erwiderte: „Aber das sind doch zwei deutsche ME 109!“ Erst als Gundrum mit MG`s beschossen wurde, merkte ich, dass ich mich getäuscht hatte und lief schnell zum Keller. Beim Laufen hörte ich ein Pfeifen. Eine Bombe schlug vor dem Scheunentor unseres Nachbarn Knapek ein. Ich habe den Kellereingang gerade noch erreicht und war beim Abschlag der Bombe durch die Hauswand geschützt. In der Hauswand vor mir war noch ein Fenster, das durch die Detonation in den Vorraum des Kellers flog. Unsere Hoftrennmauer zum Nachbarn war ca. zwei Meter hoch und bewahrte uns vor noch mehr Schäden. Der Bombentrichter lag etwa 20 Meter von der Ausdinghaus-Wand entfernt. Wir hatten unbeschreibliches Glück. Vom Scheunentor war nicht mehr viel übrig und das Dach war abgedeckt. Es fielen auch Brandbomben, dabei brannte die Raiffeisenkasse vollständig aus. Auch Schäden an manchen Häusern waren zu beklagen. Es gab einen toten Gundrumer und etliche Verletzte. Auch einen Soldaten hat es erwischt. Wir hörten die Front näher kommen. Die Tischlergesellen von meinem Großvater waren nicht mehr da. So konnten wir am späten Nachmittag von der zweistöckigen Werkstatt Richtung Austerlitz schauen und sahen die russischen Panzer anrollen.
Am 27. April 1945 – es wurde gerade Tag – klopfte es am Hoftor. Mein Vater ging zum Hoftor. Wir schauten vom Kellereingang mit Bangen zu, was wohl geschehen wird. Mein Vater öffnete das Tor und im gleichen Moment hielt ein russischer Soldat seinen aufgepanzerten Karabiner gegen meinen Vater. Seine ersten Worte waren: „Jest German!“ Mein Vater antwortete: „njet, njet – jest Tschechoslowak“. Der Russe wollte einen Spaten. Vater gab ihm unseren Spaten, aber er wollte einen Spaten mit kurzem Stil. Der Stil wurde abgesägt, der Soldat sagte: „drastiva“ (danke) und ging durch die Scheuer weiter. Ab jetzt waren wir unter russischer Kontrolle. In unserm Haus Nr. 6 in unserer Stube hatten vier russische Offiziere einen Befehlsstand eingerichtet, der mit vielen Drähten und Kabeln bestückt wurde. Der Grund dafür war, dass die Russen bei Wischau am „Kosihorka“ (Ziegenberg) durch die Wehrmacht aufgehalten wurden. Dort war ein großer Truppenübungsplatz und Fliegerhorst. Dort wurden Fahnenjunker (Offiziere) ausgebildet. Bei den russischen Offizieren war auch ein jüdischer Offizier dabei. Dieser wusste, dass wir Deutsche sind. Er war uns gegenüber sehr anständig, wie die anderen Offiziere auch. Wir hatten durch sie einen gewissen Schutz vor Übergriffen. Meine elfjährige Schwester Marie durfte laufend bei den Offizieren das Grammophon mit der Kurbel aufziehen. Im Ausdinghaus sind russische Soldaten eingebrochen. Meine Schwester lief gleich zu den Offizieren. Ein Offizier eilte mit meiner Schwester zum Ausdinghaus, zog die Pistole und vertrieb die Soldaten.
Die Rote Armee wurde bei Wischau über eine Woche lang aufgehalten. Bei diesen Kampfhandlungen wurde viel Nachschub von Kriegsmaterial gebraucht. Weil die Rote Armee in unserem Truppenabschnitt viele Panzer hatten und fast keine motorisierten Verbände, wurde in unserem Frontabschnitt der ganze Nachschub mit Pferdefuhrwerken bestritten. Für die verwundeten, mit Splitter verletzten Pferde wurden beim nächsten Bauern frische Pferde aus den Ställen geholt. In Gundrum waren fast keine gesunden Pferde mehr in den Ställen, nur noch verletzte, die von den Bauern eingefangen wurden. Man brauchte ja wieder Pferde, um die Felder bestellen zu können. Wir hatten drei verletzte Pferde. Zwei davon verendeten an den Schussverletzungen und wir begruben sie in den Schützengräben. Einen Wallach brachten wir durch. Doch dieser wurde dann doch noch von den russischen Soldaten beschlagnahmt. Zu guter Letzt wurde auch unser zweieinhalbjähriges Fohlen, das mir Vater schenkte, von einem Russen aus dem Stall geholt. Die russischen Offiziere verließen sich nicht nur auf Fernsprechleitungen und Funk, sondern setzten auch Meldereiter ein. Ein solcher Meldereiter, der meistens erst bei Dämmerung bei uns ankam um den Offizieren zu berichten, war ein anständiger Mensch. Er versprach meinem Vater, ihm für das Unterstellen, Füttern und Putzen des Pferdes etwas zu geben. Nach dem letzten Aufenthalt gab er meinem Vater ein Paar russische Soldatenschuhe.
Wir Buben haben ein kleines unverletztes Pferd eingefangen. Dieses haben wir bei Greipel Josef Kutscherauer Haus Nr. 10 untergestellt. Da wir keinen Schulunterricht hatten, kamen uns so manche kuriose Gedanken. Meine Freunde und ich kamen auf die Idee, dieses Pferd zu reiten. Ohne Sattel, wie die Indianer, führten wir das Pferd zur Gänsewiese beim Brünnel. Jeder von uns wollte reiten und möglichst lange auf dem Pferd bleiben. Als ich an die Reihe kam, wollte oder konnte das Pferd nicht mehr vom vielen hin- und her rennen. Damit auch ich meinen Spaß auf dem Rücken des Pferdes haben konnte, gab ich dem Pferd die Peitsche. Es schlug aus und verlor dabei ein Hufeisen. Der Spaß war also vorbei und das Pferd musste erst wieder beschlagen werden. Während das Pferd zum Josef in den Stall gebracht wurde, lief ich nach Hause und holte Hufnägel. Jetzt hielt einer das Pferd am Halter und der andere hat auf seinem Knie den Fuß festgehalten. So nagelte ich das Hufeisen auf den Pferdefuß. Beim Dorfschmiedemeister, er war der Bruder meiner Großmutter, habe ich oft zugeschaut, wie so ein Hufeisen aufgebracht und wie die besonders geformten Hufnägel angesetzt wurden, um das Pferd richtig zu beschlagen. Zum Reiten sind wir dann nicht mehr gekommen.
Die Männer vom Dorf hatten derweil eine andere Aufgabe. Sie gingen auf die Felder und Fluren, suchten, bargen und begruben die gefallenen Soldaten. Zwei Soldaten konnten identifiziert werden. Nachdem Onkel Willi Dworak aus dem tschechischen Straflager nach Deutschland zu seiner Familie zurückkehrte, teilte er die traurige Nachricht den Hinterbliebenen mit und übergab ihnen die Erkennungsmarken der Toten. Es mussten auch mehrere Pferde, die verendet waren, begraben werden. Diese wurden mit Pferden zu den Schützengräben gezogen, hineingeworfen und mit Erde zugedeckt. Hierbei machten wir die Erfahrung, dass ein paar Pferde ein totes Pferd nur auf dem Boden ziehen konnten, wenn es an den Vorderbeinen gezogen wurde.
Nach den Kampftruppen kamen die Besatzungstruppen. Es passierten böse Dinge, die ich nicht aufschreiben möchte. Nur einen leichten Fall, bei dem ich dabei war: Ein Russe sah die Uhrenkette an Großvaters Jankerl, zog die Pistole und sagte: „dawei Tschassi“ (gib Uhr). Somit war die Taschenuhr auch verloren. Herr Ribnitzky, der Vater meines Freundes Peter, war unser Bürgermeister. Man weiß es nicht mehr genau, nach wie vielen Tagen der deutsche Bürgermeister abgesetzt wurde. Danach übernahmen die Tschechen die Gemeindeführung mit dem „Narodni vibor“.
An einem Tag gab es großen Lärm im Ort. Etliche deutsche Männer wurden von einer Gruppe junger Tschechen aus ihren Häusern geholt, an Ketten festgemacht und mit Ketten geschlagen. Meine Mutter weinte und sagte zum Vater: „Jetzt holen sie auch Dich“. Wir hatten großes Glück – sie holten ihn nicht. Vater spielte schon vorm dem Krieg mit Schikel Mootz in einer tschechischen Musikkapelle in Rausnit „Rousinov“. Er war im Umland bei den Tschechen gut bekannt, somit musste er das Leid der anderen Männer nicht tragen. Die Männer kamen in ein Straflager. Josef Brtnik, ein Cousin vom Vater kam dort zu Tode. Viele andere kamen krank nach Deutschland. Unser Onkel Willi, der Ortsbauernführer war, starb nach wenigen Jahren in Deutschland. Vom Narodni Vibor kam die Anordnung, dass jeder Deutsche, der Waffen im Haus hatte, diese abgeben muss. Bei Zuwiderhandlung wird er bestraft. Vater sagte, dass er seine Waffen nicht abgeben wird. Mutter mein darauf: „Alle wissen doch, dass Du zur Jagd gegangen bist. Du wirst uns noch unglücklich machen!“ Also meißelten wir die Pferdestallmauer wieder auf und lieferten die Gewehre ab. Die Pistole aber hat Vater erst einen Tag vor der Ausweisung in unseren Brunnen geworfen.
Es kamen die neuen Siedler. Sie übernahmen die Höfe und Häuser. Wir mussten aus unserem Haus Nr. 6 raus und durften zum Glück zu unserem Großvater ins Ausdinghaus. Der neue Hospodar mit Familie ging erst zum Pfarrhaus und holte den Pfarrer. Dieser segnete die Räume und erst dann zog der neue Bauer mit Familie bei uns ein. Die Familie hieß Skazel, die gut zu Mutter, Schwester und Großvater waren. Vater und ich wurden zwangsverpflichtet zu dem Bauer Bartak nach Holubitz. Dort hatten wir wieder etwas Glück, denn der alte Bauer war gut zu uns. Für mich war er wie ein Großvater. Nur die Bäuerin sagte einmal zum Bauer: „Die Deutschen reden so, wie Hunde bellen.“ Wir mussten schwer arbeiten. Ich durfte nur mit Genehmigung und Passierschein, der vom Narodni Vibor ausgestellt wurde, zur Mutter nach Hause. Diesen Schein gab es höchstens alle zwei bis drei Wochen. Ich war damals 13 ½ Jahre alt. Die jüngste Tochter vom Bauern schlachtete öfter einen Hasen für mich, wenn ich nach Hause durfte. Damit wir was zu essen hätten, sagte sie.
Einmal bin ich erst um 6.00 Uhr von Grundrum zu meiner Arbeitsstelle ins 8 km entfernte Holubitz gegangen. Es gab Schneefall mit sehr starkem Wind und es war noch dunkel. Ich war bereits durch Rausnitz durch, da begegneten mir zwei Arbeiter, die zur Arbeit nach Rausnitz gingen. Einer davon packte mich und wollte mich nicht mehr weitergehen lassen. Er sagte: „ti smrschnesch Chlaptsche (du erfrierst, Junge). Ich konnte ihm keine Antwort geben, da er sonst gleich gemerkt hätte, dass ich Deutscher bin. Das N für „Nemetz“ (Deutscher) trug ich unter dem Mantel. Man musste es immer sichtbar tragen, wie die Juden ihren Judenstern. Ich wandte mich von ihnen ab und ging weiter. Sie ließen mich gehen und schüttelten nur den Kopf. So ging die unfreie Zeit dahin, bis wir Ende Juni die Aufforderung bekamen, die Sachen zu packen um wegzugehen. Wir durften nur soviel mitnehmen, wie jeder tragen konnte. Mutter bekam eine Sondergenehmigung und durfte ihre Nähmaschine mitnehmen, weil sie gelernte Schneiderin war.
Am 28. Juni 1946 fuhr uns der Bauer Skazel mit seinem Pferdefuhrwerk nach Wischau. In einem noch nicht fertig gestellten großen Bau, in dem im Keller das Wasser kniehoch stand, übernachteten wir zwei Nächte mit mehreren Familien. Am 30. Juni morgens wurden unsere Sachen auf einen LKW geladen. Dann fuhren wir auf der Kaiserstraße nach Brünn. Dabei kamen wir an Gundrum vorbei. Diese Erinnerung tut sehr weh.
In Brünn-Malomirschitz kamen wir in ein Barackenlager, das mit Ungeziefer und Wanzen befallen war. Sechs Tage waren wir in diesem Lager. Meine Schwester sah aus, wie ein Streuselkuchen; ihr Gesicht und ihr Blut schmeckten wahrscheinlich dem Ungeziefer. Am 05. Juli wurden wir mit unseren Sachen in den Güterwagen verfrachtet. Unser Wagen hatte die Nr. 6, wie unser Haus zu Hause in Gundrum. Der Wagen hatte keine Fenster, nur eine Schiebetür auf jeder Seite. Wir wurden über die Moldau – Prag und Furt im Walde nach Deutschland gefahren. Es war der 06. Juli 1946.
In Furt im Walde wurden wir registriert. Zur Vorsorge wurden wir mit einem weißen Pulver eingesprüht. Es war ein Vernichtungsmittel gegen Ungeziefer. Wie lange wir in Furt im Walde waren, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Wir fuhren weiter Richtung Westen. Keiner wusste wo es hinging. Wir stierten irgendwie apathisch auf unsere Sachen und registrierten überhaupt nicht, durch welche Ortschaften wir kamen. Bei den Haltestellen kamen fremde Leute zu den Wagons und bettelten. Großvater hat mehrmals vom Brot ein Stück abgeschnitten und gab es ihnen. Vater sagte deswegen zu Großvater: „Spar das Brot, in Deutschland gibt es wahrscheinlich nicht genug zum Essen.“
In Wasseralfingen hielt der Zug und es hieß, aussteigen, wir wären angekommen! Wir wurden ins Rukenlager gebracht, wo es wieder Baracken gab. Das Essen war knapp bemessen. Wir hatten noch etwas Brot, das wir in kleine Würfel schnitten und auf einem ausgebreiteten Leinentuch in der Sonne trockneten. Mutter gab uns jeden Tag zwei Würfelchen als Zusatz zum mageren Essen. So vegetierten wir zwei Wochen dahin. Bis wir in der alten evangelischen Schule in Ellwangen in der Priestergasse eine Bleibe bekamen. In einem Klassenraum waren mehrere Familien in Stockbetten untergebracht. Das Essen bekamen wir von der ehemaligen Flackkaserne in einer Aluminiumschüssel. In der Kaserne gab es keine Möglichkeit zu Essen. So trugen wir unser Essen in der Schüssel bis zur Schule, setzten uns auf `s Bett und verschlagen den bereits kalten Eintopf. Es war sehr deprimierend, das Essen mit der Schüssel zu holen, und wie ein Aussätziger angeschaut zu werden. Auch unser Onkel Hans wurde wieder ausfindig gemacht. Er war nach seiner Gefangenschaft Schreiner bei den Amerikanern in deren Kaserne in München. Wenn er am Sonntag seine Familie besuchte, bekamen wir auch immer was von dem Essen der Amerikaner ab.
Nach zwei Wochen bekamen wir ein Zimmer und einen Kellerraum in der Seb.-Merkle-Straße zugewiesen. Aus der Kaserne bekamen wir Bettgestelle, einen Tisch und zwei SS-Hocker. Es wurden Strohsäcke gemacht. Vom Bauer Pfitzer bekamen wir das Stroh zum Ausstopfen der Säcke. Und so hatten wir endlich wieder richtige Betten. Im Keller kochten wir auf dem Herd, den die Stadt uns besorgte. Der Kellerraum war gerade so breit, dass zwei Betten und dazwischen ein Tischchen Platz hatten. So saßen wir auf den Betten und konnten am Tisch sitzen. Abend waren die Betten für Großvater und mich wieder die Schlafstellen. Es begann wieder ein Leben – ganz anders als daheim.
All dieses habe ich nach 65 Jahren im Februar 2011 aus dem Gedächtnis für unsere Nachkommen aufgeschrieben. Es kann durchaus sein, dass ich mich bei manchen Daten und Namen geirrt habe. Aber so habe ich diese Zeit wirklich erlebt. (Ellwangen, Februar 2011 Erich Bernard)
Alte Dokumente sprechen für sich - Fortsetzung aus WHB 3 2011 - Aufstand im Kirchensprengel Kutscherau,
so könnte man den Artikel im Tagesboten und Volksblatt von 1901 durchaus bezeichnen. Doch warum gingen die Menschen auf die Straße? Das ungelöste Nationalitätenproblem im Vielvölkerstaat der Monarchie war auch in der Markgrafenschaft Mähren nicht mehr unter der Decke zu halten. Die oft zitierten Floskeln vom friedlichen Miteinander von Tschechen und Deutschen hat so nie gestimmt. Es war die Herrschaft einer Minderheit über die Mehrheit. Viele Jahre vor dem Versuch, durch den sognannten Mährischen Ausgleich im Jahre 1905 in Brünn den Druck aus dem Kessel zu nehmen, war im ganzen Land die Stimmung sehr explosiv. Der Anteil der deutschen Bevölkerung betrug nach der Volkszählung des Jahres 1900 ca. 25%, die der Tschechen zusammen mit anderen slawischen Minderheiten 75%. Regiert wurde das Lande aber aufgrund eines undemokratischen Wahlrechtes von der Minderheit der Deutschen. Die Vorbereitungen zu diesem Mährischen Ausgleich dauerten alleine 9 Jahre, bis sich ein Kompromiss abzeichnete. In dieser langen Zeit des Streites und der Suche nach Wegen für eine Einigung war das politische Klima zwischen den beiden Volksgruppen sehr angespannt. Die neue Zeit mit ihren technischen und politischen Veränderungen erreichte auch die Sprachinsel. In Kutscherau, wo der Anteil der tschechischen Bevölkerung im Jahre 1887 (Volksszählung ) ca. 17% betrug, hat sich auch der Streit in dieser Zeit aufgeschaukelt. Ausgangspunkt war der Sprachenstreit. Bisher mussten die deutschen Beamten in den Verwaltungen nicht die tschechische Sprache beherrschen, während die Tschechen deutsch und ihre Muttersprache beherrschen mussten. Nun galt für alle die Zweisprachigkeit. Diese Entscheidung führte zu heftigen Auseinanderstzungen mit der deutschen Presse. Der tschechische Pfarrer Alois Hlavinka wollte seine tschechischen Mitbürger seelsorgerrisch erreichen und predigte in ihrer Sprache. Die Eskalation begann. Die Verweigerung einer christlichen Berdigung, so wie der obige Zeitungsbericht es darstellte, war nur der berühmte Funke, wobei der Pfarrer diesen Bericht als absolut unwahr bezeichnete und eine Gegendarstellung verlangte. Mit dem Ruf „Los von Rom“ zogen die empörten Sprachinseler zum Pfarrhaus und protestierten. Tumultartige Szenen müssen sich abgespielt haben. Das Episkopat in Brünn versuchte zu schlichten. Der Forderung nach der Absetzung des Pfarrers wurde nicht stattgegeben. Er blieb bis 1910 in Kutscherau. In einem Brief an seine Vorgesetzten im Brünner Episkopat schilderte er die Beweggründe seines Handelns. Neben den Anschuldigungenn zu seiner Person nahm er auch Stellung zu seelsorgerrischen Problemen seines Sprengels. Er beklagte in bewegenden Worten den allgemeinen Sittenverfall, der nachlassenden religiösen Bindungen der Jugend und verlangte, dass der Religionsunterricht in der Schule auf 4 Stunden in der Woche erhöht wird. Die Anschuldigungen der deutschen Bevölkerung, er sei zu tschechenfreundlich, wies er auf das Schärfste zurück. Im Gegenteil, er erwarte von seinen deutschen Mitbrüdern volle Solitarität und christliches Verständnis in dieser Angelegenheit. Diese Auseinandersetzungen gingen über Jahre. Die Bürgermeister von Kutscherau, Hobitschau und Lissowitz verlangten die Auflösung des kirchlichen Armenfonds. Damit wollten sie die Position des Pfarrers schwächen. Die Unterlagen, die ich zu diesem Thema sichten konnte, lassen aber auch Emanzipierungsversuche durch die selbstbewusster werdenten Bürgermeister erkennen. Wenige Jahre später, gab es ähnliche Auseinandersetzungen in der Ortsschaft Tschechen. Anlässlich eines Gründungsfestes für einen deutschen Kindergarten wurde diese Feier gestört. Aus der Umgebung kamen 200 Tschechen unter Führung eines Lehrers mit den deutschen Namen Lossmann, randalierten und besetzten den Festplatz. Bewaffnet waren diese Protestler mit Knüppel. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherung des Festes mussten 8 Gendarmen eingesetzt werden. Diese Beispiele aus der Sprachinsel belegen ebenfalls ein friedliches Zusammenleben im Vielvölkerstaat war eine Utopie. Auch der „Mährische Ausgleich von Brünn“ konnte daran nichts mehr ändern. Pfarrer Hlavinka hat nach seiner Versetzung aus Kutscherau noch eine beachtliche Karriere als Wissenschaftler gemacht. Er veröffentlichte einige Bücher zu den unterschiedlichsten Themen und starb 1930 in Brünn. Matthäus Wittek
Küchenspezialitäten aus der Sprachinsel - Grießauflauf
250 gr Grieß, 100 gr Zucker, 100 gr Butter, 1 ¼ Liter Milch, 3-4 Eier, 1 Prise Salz - Gries mit Zucker, Butter und Salz in der Milch unter ständigem Rühren dick einkochen. Die Masse auskühlen lassen. Eischnee schlagen. Die Eidotter und den festen Schnee dazugeben und in eine gut gefettete Form füllen. (Wenn nicht genügend Eier vorhanden waren, reichte auch 1 oder 2)
Circa ¾ Stunde im Ofen backen. Wenn die Oberfläche hellbraun aussieht, ist der Auflauf fertig. Etwas Butter über die Oberfläche streichen und vor dem Servieren mit Zucker und Zimt bestreuen.
(Diese einfache, aber schmackhafte Spezialität brachte meine Mutter Maria Legner, Rosternitz 32, immer wieder auf den Tisch / RR)
Vereinsnachrichten WHB 4/2011
Land-Berichte, Sozialwissenschaftliches Journal
Die Herren PD Dr. Karl Friedrich Bohler, Prof. Dr. Anton Sterbling und Prof. Dr. Gerd Vonderach haben in Verbindung mit der Sozialwissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft beim Institut für regionale Forschung e.V. das Jahrbuch XIV, Heft 2/2011, herausgegeben. In diesem Buch erscheint auch ein Beitrag von Herrn Dr. Peter Bahn über die „Vertreibung, Integration und Tradition – Vertriebene aus der Wischauer Sprachinsel in einer badischen Kleinstadt“.
Wir haben in der Vergangenheit schon des Öfteren mit Herrn Dr. Bahn zusammengearbeitet. Er kennt unsere Geschichte ganz genau und schildert die wahren Begebenheiten der Vertreibung und Integration der Sprachinsler.
Bei Interesse kann dieses Buch mit der ISBN 978-3-8440-0158-7 in jeder Buchhandlung gekauft – oder bei uns für einen Betrag von Euro 10,00 + Porto bestellt werden. RR
Bibliothek
Wir sind auf der Suche nach einer geeigneten Person für unsere „kleine Bibliothek“ in Fachsenfeld. Der Arbeitsumfang ist sehr gering. Die meisten Exponate sind bereits vor Ort und müssten nur richtig eingeordnet werden. Ein Herr oder eine Dame aus der Umgebung von Aalen wäre sehr ideal. RR
Informations- und Begegnungszentrum
In WHB 3/2011 wurde die offizielle Einweihung unseres neuen Wischauer Zentrums angekündigt. Leider waren die uns angedachten Räumlichkeiten bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig. Die Stadt Aalen hat letztendlich vorgeschlagen, dass wir erst nach Beendigung des Schuljahres 2010 / 2011 mit den Restarbeiten beginnen können.
Die interessierten Wischauer, welche aber trotzdem den Weg zu uns nach Fachsenfeld gefunden haben, waren durchweg positiv überrascht, als Sie dieses IBZ inspiziert haben. Wir sind sicher, dass wir ab jetzt ein Zentrum haben, das allen Ansprüchen für die Zukunft gerecht werden wird. RR
Termine:
3. - 26. August Fotoausstellung „Sudetendeutsche Trachten – heute“ im
Sudetendeutschen Haus, München
9. Oktober Tag der Heimat, Wasseralfingen, Auftritt
22. Oktober Mitgliederversammlung
19. – 20. November 18. Wischauer Seminar
Spruch des Monats Die Freude ist überall, es gilt nur, sie zu entdecken. (Konfuzius)
Sudetendeutsche trauern um Otto von Habsburg Die Sudetendeutsche Volksgruppe und die Sudetendeutsche Landsmannschaft trauern um Otto von Habsburg, Träger des Europäischen Karls-Preises der Sudetendeutschen und ehemaliger Kronprinz von Böhmen, Markgraf von Mähren und Herzog von Schlesien, der sich „als leidenschaftlicher Europäer und Demokrat stets für die Heimatvertriebenen und für Bayerns 4. Stamm eingesetzt hat.“ Der Sprecher der Sudetendeutschen, Bernd Posselt MdEP, und der Bundesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Franz Pany, würdigen den Verstorbenen als „Kämpfer für die Menschenrechte, für das Selbstbestimmungs- und Volksgruppenrecht, für das Recht auf die Heimat sowie für die Völkerverständigung in einem geeinten Europa.“ Otto von Habsburg habe Jahrzehnte lang nicht nur an nahezu jedem Sudetendeutschen Tag teilgenommen und in vielen Gremien der Volksgruppe mitgewirkt, er habe sich stets auch zu ihr bekannt. (Presse SL)
Museum erinnert an den Grenzübergang
Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, in die Tschechische Republik reisen, lohnt es sich, am ehemaligen Grenzübergang Schirnding ein neu eröffnetes Museum zu besuchen. Es ist jeden Sonntag von 14.00 bis 16.00 Uhr geöffnet; Anmeldung für andere Tage unter www.grenzmuseum-schirnding.de
Dieses Museum soll an die Existenz des Grenzübergangs Schirnding aus der Zeit vor und nach dem Eisernen Vorhang erinnern. Schirnding und Pomezi/Mühlbach waren damals ganz abgelegene Orte an der Grenze, die nur von einem lebten: von der Existenz des Grenzüberganges. Zollbeamter Brauner hat mit seinen Kollegen von Zoll, Bundespolizei und Grenzpolizei z.T. auch mit Hilfe der tschechischen Zollkollegen) viele Exponate aus der Geschichte des Grenzübergangs bis zur Gegenwart zusammengetragen. Dazu gehören neben zahlreichen Fotos, beispielsweise von der Grenzöffnung im Jahre 1989, auch Waffen, verbotene Gegenstände, Rauschgiftutensilien und alte Dokumente. Es fanden sich genug Gegenstände, damit eine Exposition entstehen konnte. Deshalb wurden die Sachen im Keller des weiträumigen Zollamtes für die Nachwelt gesichert und auch katalogisiert.
Mit der nach dem Beitritt Tschechiens zum Schengener Raum erfolgten Übernahme des Zollamtes-Komplexes durch die Bundespolizei brach für Wolfgang Brauner eine Welt zusammen, denn er wusste nicht, wohin mit den selten und oft auch skurrilen Dingen, die an der bayerisch-tschechischen Grenze in all den Jahren konfisziert worden sind. „Wenn sich hier in Schirnding nichts getan hätte, wären die Sachen vielleicht ins Hauptzollamt gewandert und in irgendeinem Keller langsam verstaubt“, so Brauners Mutmaßung.
So wurde 2007 der Förderverein „Grenzmuseum/Pohranicni muzeum Schirnding“ aus der Taufe gehoben. Spontan erklärten sich 26 pensionierte und aktive Zöllner und Polizisten sowie der „Bund der Deutschen Zollbeamten“, Bezirksverband Nordbayern, bereit, einen Förderverein zu gründen und mit Hilfe der an der Bayerisch-tschechischen Grenze tätigen Euregio Egrensis das Grenzmuseum mit Leben zu erfüllen. Zu den Aufgaben des gemeinnützigen Vereins gehören u.a. die Auseinandersetzung mit der grenzüberschreitenden Geschichte n der deutsch-tschechischen Grenze rund um Schirnding, die Erhaltung von örtlichen Dokumenten und Gegenständen vom ehemaligen Grenzübergang Schirnding und die Dokumentation von Geschehnissen in Wort und Bild an der bayrisch-böhmischen Grenze im 20. Und 21. Jahrhundert.
Die Besucher aus Deutschland und Tschechien können – zum Teil auch zweisprachig – eine interessante Ausstellung zum Grenzübergang bewundern. Künftige Generationen sollen in dem in einem früher von einer Spedition genutzten Gebäude untergebrachte Museum erfahren, wie und wo an der deutsch-tschechischen Grenze Dienst verrichtet wurde. Seit April dieses Jahres wird außerdem auch noch eine Ausstellung zur Geschichte der Bayerischen Grenzpolizei gezeigt. Zahlreiche aussagekräftige Fotografien und so manches neue Exponat in dem kleinen, aber feinen Museum am früheren Grenzübergang Schirnding erzählen dem Besucher anschaulich von den Jahren 1946 bis 1998. Die Stippvisite lohnt sich für jeden, der am Grenzübergang vorbeifahrt. Landeszeitung