Aalener Delegation besucht unsere Sprachinsel
Oberbürgermeister Martin Gerlach, Stadtarchivar Dr. Roland Schurig und die Städtepartnerschaftsbeauftragte Dorothea Martini reisten anlässlich unserer 30jährigen Patenschaft zusammen mit der Vorstandschaft unserer Gemeinschaft in die Sprachinsel. Ziel der Reise war, sich ein Bild von der Geschichte unserer Vorfahren in den Sprachinseldörfern zu machen, die Gegend kennen zu lernen und sich mit den heute dort lebenden Menschen zu begegnen. Die Einladung war von langer Hand geplant und vorbereitet und dem Oberbürgermeister von Aalen lagen Einladungen aller Bürgermeister der ehemaligen Sprachinseldörfer und des Vetrnik vor.
Unsere Vorstandschaft, welche die Delegation begleitete, reiste bereits am Samstag 16. Oktober 2010 an. Der erste Weg führte uns ganz selbstverständlich - wie immer - zuerst auf den Friedhof, denn erst wenn dort die Erinnerungskerzen brennen, fühlen wir uns gut. Im Volkshaus in Rosternitz wurden unsere mitgebrachten 20 Ausstellungstafeln installiert. Diese Tafeln bleiben vor Ort und werden später an anderen Stellen und in Schulen gezeigt. Die Projektmanagerin des Vetrnik hat für diese offizielle Begegnung ebenfalls eine Ausstellung mit 8 Schautafeln unter dem Titel: „Vermächtnis unserer Vorfahren“ konzipiert. Diese zeigte aus der ehemaligen Sprachinsel die Architektur, die Bräuche und die heute gemeinsam durchgeführten Projekte. Unsere Dauerausstellung im Volkshaus wird nach wie vor gut besucht und wir haben diese noch um einige Exponate erweitert. In Zukunft wird auch die neu restaurierte Pieta aus der Kapelle in Swonowitz in dieser Ausstellung zu sehen sein. Die Kapelle ist in einem schlechten Zustand und sehr feucht, sodass die Skulptur an diesem Standort unbedingt dem Verfall preisgegeben gewesen wäre.
Die Aalener Delegation fuhr nach ihrem Eintreffen sofort mit unserer Vorstandschaft am Sonntagabend, 17. Oktober 2010, zum ersten gemeinsamen deutch-tschechischen Termin nach Rosternitz. Es war eine Begegnung mit fast allen Bürgermeistern aus der Umgebung und des Vetrnik.
Montag, 18. Oktober 2010, stand ganz im Zeichen einer Sprachinselrundfahrt. Das Programm begann mit einem Besuch in der Bibliothek in Wischau. Der Direktor, Dr. Vladislav Raska führte uns durch die Räume. Einst war dieses Gebäude eine weiterführende Schule, in der auch die Kinder der Sprachinsel unterrichtet wurden. Das Äußere des Gebäudes ist ursprünglich erhalten, innen wurde es jedoch sehr modern umgebaut. Den Lesern stehen zurzeit mehr als 100.000 Bücher zur Verfügung; außerdem gibt es einen Computerraum, einen Leseraum und einen Musikraum.
Die nächste Station war das ca. 750 Einwohner zählende Dorf Gundrum. Wir besuchten die neu renovierte Kirche der Heiligen Barbara. Der alte Pfarrhof, dessen Restaurierung zu zwei Drittel abgeschlossen ist, kann bereits jetzt als Kleinod der dörflichen Architektur Mitte des 19. Jahrhunderts bezeichnet werden. Auch der hoch moderne und mit vielen Extra-Details ausgestattete Kindergarten fand allgemeines Lob. Kirche, Friedhof, Pfarrhof und die gegenüber dem Friedhof gelegene alte Schreinerei sind als Denkmalzone ausgewiesen.
Unser nächstes Ziel war die ca. 5.000 Einwohner zählende Stadt Rausnitz, in die das Dorf Tschechen eingegliedert ist. Eine Fremdenführerin lud uns zu einem kleinen Stadtrundgang ein, vorbei an der ehemaligen Synagoge und dem Judenfriedhof, auf dem im Jahre 2005 die letzte Beerdigung stattfand. Es handelte sich dabei um einen Engländer, der in seiner Heimaterde begraben sein wollte. Besonders stolz ist die Stadt auch auf den neu erbauten Busbahnhof. Nachdem Rausnitz im Zentrum keine eigene Bahnstation hat, liegt der Busbahnhof verkehrstechnisch sehr gut. Als Knotenpunkt für Busse bezeichnet, starten von hier aus regelmäßig Busse in alle Richtungen.
Eine Fahrt durch Tschechen und das Dorf Lissowitz waren die nächsten Stationen. In Lissowitz besichtigten wir das Anwesen Nummer 33, welches noch ganz ursprünglich erhalten ist. Es steht unter Denkmalschutz und deshalb ist es auch nach Anmeldung immer und für alle Besucher zugänglich. Die Möbel im Inneren des Hauses sind zum größten Teil noch aus der Zeit, als die Familie Fischer hier wohnte. Der Dorfplatz Lissowitz vermittelt noch besonders gut die Form eines Angerdorfes; der Dorfbach, der einst durch die Mitte des Dorfes führte, ist heute zum Teil verrohrt und durch eine Grünfläche überdeckt.
In Hobitschau besichtigten wir das Gemeindegasthaus, welches ebenfalls im Inneren noch original erhalten ist, den Kindergarten, der gerade renoviert wird, und die Raiffeisenkasse von außen.
Die Kirche Peter und Paul in Kutscherau, deren Renovierung mit der Fertigstellung des Turmes vorerst unterbrochen wird, war der nächste Höhepunkt unserer Besichtigungsreise. Dass in dieses Projekt sehr viel Geld geflossen ist, kann man hier deutlich sehen. Die deutschen Kindergräber sollen in der nächsten Zeit ebenfalls renoviert werden.
Rosternitz war schließlich die letzte Station dieses Tages. Oberbürgermeister Martin Gerlach, Aalen, und seine Amtskollegin Bürgermeisterin Marie Slavikova, Rosternitz-Swonowitz, pflanzten als Sinnbild für die bisher geleistete Arbeit und als Zeichen der Hoffnung auf eine friedliche Zukunft in Europa und der Welt vor den Mauern des Friedhofes eine Linde der Verständigung. Der anschließende Gottesdienst in der Kirche Cyrill und Method wurde vom neuen Pfarrer, der jetzt für die Gemeinden Bogdalitz, Kutscherau und Rosternitz-Swonowitz zuständig ist, in deutsch und tschechisch zelebriert. Er gab seiner Freude in der feierlichen Messfeier Ausdruck, dass gerade hier und heute alle Anwesenden in ihrer Muttersprache zu einem Gott um Frieden in der Welt beten sollen. Das Innere der Kirche ist noch ganz gut, die Fassade aber wäre dringend renovierungsbedürftig. Im Volkshaus traf man sich dann nochmals zu einem Abendessen mit typischen Spezialitäten der Region und zu einem letzten Gedankenaustausch. Oberbürgermeister Martin Gerlach schrieb ins Gästebuch unserer Heimatstube folgendes: Vielen Dank für die Einladung nach Wischau. Die Verbundenheit der Stadt Aalen mit der Wischauer Sprachinsel besteht seit über 60 Jahren, die Patenschafteder Aalener seit nun 30 Jahren. Es ist mir eine große Freude zu sehen, wie die70jährige Geschichte der ehemaligen deutschen Siedlungen in diesen Räumen und im Dorf erhalten werden. Für unsere gemeinsame Zukunft im Europäischen Haus wünsche ich mir viele Begegnungen wie diese und eine Freundschaft, die weiterwächst. Martin Gerlach, Oberbürgermeister von Aalen.
Der Verbund Vetrnik, an deren Spitze Marie Slavikova steht, informierte als letztes noch mit einer Präsentation über die renovierten Objekte der Vergangenheit und deren Finanzierung sowie den Plan für die Zukunft. In Rosternitz sind Volkshaus, Kirche und Leinwandplatz ebenfalls als Denkmalzone ausgewiesen.
Die Besichtigung des Zuran, dem geschichtsträchtigen Ort bei Austerlitz, stand am Dienstag früh noch auf dem Plan. Im Jahre 1805 fand hier die Dreikaiserschlacht statt, die mit einem Sieg Napoleons endete. Ein „uniformierter, französischer Soldat“ empfing uns hier wie in alten Zeiten mit einigen Schüssen und erzählte dann aus der der Zeit Napoleons und seinen Soldaten.
Am späten Vormittag verabschiedete sich die Aalener Delegation von uns und nahme durchwegs sehr positive Eindrücke mit nach Hause. Die Organisation war perfekt und während wir am Nachmittag noch bei drei Kreuzeinweihungen (ehemals deutsche Kreuze) teilnahmen: Kreuz von der Kirche in Rosternitz, ursprüngliche Aufstellung im Jahre 1861, Kreuz im Oberort Rosternitz, „Laikakreuz genannt“ aus dem Jahre 1873 und das Marterl an der Flurgrenze von Swonowitz (Baujahr unbekannt). Unter strahlend blauem Himmel begleiteten uns auch einige verbliebene Deutsche sowie tschechische Vertreter und alle waren darüber froh, dass diese Denkmäler aus deutscher Vergangenheit nicht dem Verfall preisgegeben wurden. Mit einem anschließenden gemütlichen Beisammensein endete auch dieser ereignisreiche Tag.
Die aus Deutschland angereisten Sprachinsler fuhren am Mittwoch ebenfalls wieder, um viele Erlebnisse und Begegnungen reicher, Richtung Heimat. „Möge unsere Sprachinselgeschichte auch durch diese Begegnungen von vielen Menschen weiter in die Zukunft getragen werden!“ Rosina Reim
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Fotos Ing. Matyas
__________________________________________________________________________________________________________
Vertrieben - Angekommen - Angenommen - dieses Buch gibt es jetzt auch in tschechischer Version
Nach langer Vorbereitungszeit ist es nun endlich so weit, Ihnen dieses Buch vorzustellen. Die Autoren: Bernard Matthäus, Brtnik Günter, Butschek Elisabeth, Czapka Hannes, Drabek Alois, Fink Hilde, Fleischhacker Josef, Goll Hilde, Pater Josef Gräupel, Haschka Martin, Hloschek Anton, Hroß Martin, Klotz Hilde, Kutscherauer Josef, Legner Hannes, Legner Josef, Schimmele Julia, Wieder Astrid, Wieder Harald und Wittek Mattes erzählen die Wahrheit über das schreckliche Unrecht, das unsägliche Leid und die Verzweiflung, die sie am eigenen Leib erfahren haben. Sie berichten aber auch, dass es selbst in schweren Zeiten immer wieder Menschen gab, die bereit waren zu helfen, gleich welcher Nationalität und welchem Stand sie angehörten. Sie berichten ebenfalls von der Integration, die im fremden Land nicht immer leicht war und von der Heimat, in der sie jetzt wohnen.
Den Frauen und Männern lag es sehr am Herzen, ihre eigenen Geschichten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Sie sollen der Nachwelt zur Erinnerung und der Zukunft als Mahnung dienen. Krieg ist etwas Schreckliches, und deshalb sollten Hass, Gewalt und Rache in unserer Gesellschaft keinen Platz mehr finden. Die Berichte sind persönlich aufgeschrieben und formuliert und geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder. Das Buch ist für Euro 12,90 zu beziehen bei: Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel e.V. Geschäftsstelle Ute Soutschek, Am Steinriegel 20, 73457 Essingen

_______________________________________________________________________________________________
Ausstellung „Das Leben unserer Vorfahren aus der deutschsprachigen Insel bei Wischau“ in Brünn
vom 1.Februar bis 30. März 2010 in der Deutschen/Österreichischen Bibliothek Solniční 12
Unter dem Begriff „Wischauer Sprachinsel“ versteht man eine ländliche Region bei der Stadt Wischau, nordöstlich von Brünn. Ihre Besonderheit: Die Region war viele Jahrhunderte nahezu vollständig deutschsprachig und erhielt sich ihre spezifischen Traditionen und ihre Mundart lebendig bis 1945.
Rosina Reim, Vorsitzende der Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel und Willi Reim, Heimatkreisbetreuer, haben es sich zur Aufgabe gemacht, eine Dokumentation dieses Kulturkreises zu erstellen. Seit Jahren tragen sie Gegenstände, Zeitzeugenberichte, Fotografien, Kleidungsstücke und andere wertvolle Dokumente zusammen. 2007 konnte zum ersten Mal mit einer Fotoausstellung in der Tschechischen Republik in Wischau und dann im Jahre 2009 in Mährisch Trübau, über diese Traditionen berichtet werden. Im Februar 2010 konnte auf Initiative des Deutschen Kulturverbands Brünn in Kooperation mit der Mährischen Landesbibliothek in der Deutschen/Österreichischen Bibliothek in Brünn diese Ausstellung unter der Teilnahme der Autoren und zahlreicher Ehrengäste eröffnet werden. Die Direktorin der Deutschen/Österreichischen Bibliothek, Frau Dr. Darina Zanášková, gab in ihrer Eröffnungsansprache vor etwa 70 Besuchern ihrer Freude darüber Ausdruck, daß es heute möglich ist, historische kulturelle Themen aufzugreifen, über die jahrzehntelang nicht gesprochen werden durfte, geschweige denn erlaubt war, sie darzustellen. Frau Dr. Zanášková begrüßte sowohl die Autoren der Ausstellung, aber auch als Ehrengast die Präsidentin der Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien, Frau Irene Kunc, sehr herzlich in Brünn. Auch mehrere Bügermeister der Sprachinselorte hatten sich zu dieser Eröffnung eingefunden, darunter auch die Bürgermeisterin von Rosternitz, dem Geburtsort von Frau Reim. Zu den weiteren Gästen zählte der Direktor der Stadtbibliothek in Wischau, die beliebte Brünner Stadt-Historikerin Milena Flodrová und zahreiche weitere Persönlichkeiten aus Brünn und der Sprachinsel. Die Präsidentin der Landesverammlung, Frau Irene Kunc, wies bei ihrer Ansprache darauf hin, daß diese Ausstellung bereits im Rahmen der deutsch-tschechischen Begegnungstage im September 2009 in Mährisch Trübau viel Anerkennung und Erfolg zu verzeichnen hatte und wünschte der Ausstellung in Brünn einen erfolgreichen Verlauf.
Anschließend führte Frau Reim durch die Aussstellung. Nach einem kurzen geschichtlichen Überblick erzählte Frau Reim, daß es schließlich acht Dörfer gewesen sind, die die schlechten Zeiten überlebten und als „Deutsche Sprachinsel bei Wischau“ in das Bewußtsein des Umlandes eingingen. Die Bewohner hatten in Sprache, Wohnbau, Sitten und Gebräuchen ihre Kultur im ursprünglichen Charakter bewahrt, eine seltene Erscheinung in der heutigen Zeit. Die Dorfform hat ihren eigenen Stil bewahrt, den Anger, einen grasbewachsenen Dorfplatz im Gemeinbesitz, der von allen Bewohnern der Stadt oder des Dorfes genutzt werden konnte. Auch die Bauweise der Häuser erhielt sich mit dem typischen „Sölder“ dem halbpilzartigen Eingang, bis in die heutige Zeit. Die deutschsprachigen Gemeinden standen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wirtschaftlich und strukturell auf hohem Niveau. Das Genossenschaftswesen war gut organisiert. Eine Raiffeisenkasse in Hobitschau entwickelte sich zu einem beachtenswerten Geldinstitut, das landwirtschaftliche Warengeschäft wurde höchst zufrieden stellend abgewickelt, die Spar- und Darlehenskassen von Rosternitz und Gundrum entfalteten ebenfalls eine segensreiche Tätigkeit. 1924 wurde in Rosternitz ein Gemeindehaus errichtet, welches erst seit 2004 wieder seinem ursprünglichen Zweck dient. Stolz berichtet Frau Reim, daß das Gemeindehaus mit vereinten Kräften der Wischauer im In- und Ausland 2004 originalgetreu saniert und dort eine Dauerausstellung aus dem Fundus der Wischauer Landsleute in Deutschland installiert werden konnte. Was sie verschweigt: Sie und ihr Mann waren die maßgebliche treibende Kraft, zusammen mit der engagierten und unerschrockenen Bürgermeisterin des Ortes, die Finanzmittel beim Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds erhielten und bereitstellten, das Projekt vorantrieben und zu einem guten Ende brachten. Ein gelungenes Beispiel vorbildlicher und erfolgreicher Zusammenarbeit. Besondere Bedeutung hatte die Tracht der Mädchen und Frauen, aber auch der Männer. Eine ganze Reihe von Fotografien zeigt ganze Trachten oder auch nur Teile, Kopfbedeckungen Schleifen und Mieder. Etwa eine Stunde dauert bereits das Anziehen der Tracht, berichtet Frau Reim. Die plissierten und gestärkten Festtagsröcke seien so steif, daß ein Sitzen nicht möglich ist.
Ein sehr schönes altes Filmdokument wurde im Anschluss an die mit einem kleinen Empfang verbundene Vernissage gezeigt. Ende der 30-er Jahre wurde in Hobitschau eine Hochzeit gefilmt, mitsamt den Vorbereitungsarbeiten und allen Bräuchen. Interessiert betrachteten die Zuschauer die Hochzeitsvorbereitungen, die Hochzeitsbräuche, an denen das ganze Dorf teilnahm und staunend teilen die Brünner von heute den Blick in 70 Jahre lang entfernte Vergangenheit.
Bei den Gesprächen mit den Teilnehmern und auch am nächsten Tag im Begegnungszentrum wird eine seltsame, wie unsichtbare Linie des Zugangs zu den vorgestellten Themen beobachtet. Mit heutiger Terminologie würde man sagen, es ist ein Nachholbedarf am Blick in die Vergangenheit. Kein Wunder. Über 40 Jahre lang sollte die Jahrhunderte alte gemeinsame Historie des Zusammenlebens in Mähren ausgelöscht werden. Das menschliche Kollektivgedächtnis sollte umgepolt werden, die traditionellen Werte vergessen oder ad absurdum geführt werden. Nichts davon ist gelungen. Die Menschen drängeln sich um die Schautafeln mit Bildern aus ehemals deutschsprachigen Gemeinden. Sie bewundern die Bilder, bestaunen die Tatsache daß es überhaupt Dokumentarfotos aus dieser Gegend und auch noch von solcher Aussagekraft gibt. Die Filmdokumentation vergleicht nahezu jede/r der Besucher/innen mit Erinnerungen an seine eigenen Großeltern, Verwandten, die ebenfalls am Land lebten. Auch meine Grosseltern haben solche Hochzeitskolatschen gebacken, mit Topfen, genau so wie im Film gezeigt wurden sie aufgeschichtet, erzählt eine der Besucherinnen.
Eine phantastische Atmosphäre herrschte bei der Vernissage, schreibt eine der Teilnehmerinnen. Willi und Rosina Reim sind außergewöhnliche Menschen und ihre Arbeit bewundernswert, fügt sie hinzu. Wir, die Veranstalter, fügen unseren herzlichsten Dank für den Fleiß und das Engagement der Familie Reim dazu und hoffen, bald wieder Neues und Interessantes aus dem heutigen Zusammenwirken der Menschen in Deutschland und der mährischen Region Wischau zu erfahren. (Hanna Zakhari)
______________________________________________________________________________________________
Deutsch-Tschechische Kulturtage in Mährisch Trübau vom 18. - 21. September 2009
Irene Kunc, die Präsidentin der Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien, und Rosina Reim, die Vorsitzende der Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel, haben Anfang des Jahres eine Zusammenarbeit beschlossen. Von der Wischauer Seite wurde eine Ausstellung mit 135 Originalbildern aus der Zeit vor 1945, 29 Bildern über die Kulturarbeit nach 1945 und vier erklärende Tafeln über Land und Leute, Schuhe, Tücher und Tracht der Wischauer Sprachinsel konzipiert. Zusammen mit aussagekräftigen Wischauer Objekten ist diese Ausstellung im Begegnungszentrum Walter Hensel in Mährisch Trübau zu sehen. Die Eröffnung fand am 16. Juli dieses Jahres statt. Die Ausstellung soll bewirken, dass wir die Geschichte, über Land und Leute, das Leben, aber auch die Landschaften unserer Vorfahren einem breiten Publikum näher bringen, und so zum besseren Kennenlernen beider Völker beitragen. Am Freitag, 18. September 2009 schließlich fuhr die Wischauer Trachten- und Tanzgruppe von Aalen über München nach Mährisch Trübau, früher auch das „Mährisches Athen“ genannt. Die erste Begegnung mit den Organisatoren war gleich nach unserer Ankunft, und bei einem gemütlichen Abendessen tauschte man sich über das Programm der kommenden Tage aus.
Der Samstag begann nach einem guten Frühstück mit einer intensiven Tanzprobe, bevor wir mit Trachtentaschen und –koffern bepackt ins nahe gelegene Museum starteten. An diesem Ort sollten fast alle Veranstaltungen der Deutsch-Tschechischen Kulturwoche stattfinden. Wir waren, wie üblich, lange mit dem Ankleiden unserer Tracht beschäftigt. Im Park des Museums wartete inzwischen bereits ein Filmteam aus Straznice auf uns. Mit Herrn Dr. Krist, Direktor von NULK (Národní Ústov Lidové Kultury – Nationalinstitut für Volkskultur) in Straznice, wurde schon vor längerer Zeit vereinbart, unsere Gruppe für sein Archiv zu dokumentieren. Hier in Mährisch Trübau passte dieser Zeitpunkt perfekt. Bei herrlichem Wetter und besten Voraussetzungen konnten die Filmaufnahmen erfolgen. Der holprige und unebene Grasboden kostete den Tänzern so manchen Schweißtropfen, zumal der Regisseur immer wieder auf Wiederholungen der Szenen bestand. Die Teilnehmer waren aber bis zuletzt locker und mit strahlenden Gesichtern bei der Sache. Unser Musiker begleitete uns mit den vertrauten Klängen seiner Harmonika souverän durch das gesamte Programm. Viele Besucher und Zaungäste wurden durch die Proben angelockt und bestaunten sowohl unsere Trachten als auch unsere Vorführungen. Diese Dokumentation ist für unsere Gemeinschaft von größter Bedeutung. Am späteren Nachmittag gesellten sich dann auch noch die Filmproduzenten von TV-Axel aus Wischau zu uns, um ebenfalls Aufnahmen für ein geplantes Projekt zu filmen. Um 16.00 Uhr war die offizielle Präsentation der schon oben erwähnten Ausstellung „Wischauer Sprchinsel“. Vor einem vollen Saal und vielen Zuhörern auf den Emporen referierte Rosina Reim über die Dörfer, das Brauchtum, die Tracht und über die jetzige Situation der Sprachinseldeutschen nach der Vertreibung. Sie sagte, „dass wir von der Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel viel daran arbeiten, um die Geschichte dieses kleinen Landstrichs in eurem Lande nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“. Frau Kunc lud anschließend alle Zuhörer ein, die Ausstellung im ersten Stock zu besichtigen. Ein, speziell für diese Ausstellung gefertigtes Begleitheft lag überall bereit, sodass sich interessierte Besucher ausführlich informieren konnten.
Die vielen Gäste und Vertreter aus Deutschland und Tschechien gaben der Veranstaltung einen besonderen und offiziellen Rahmen. Es waren u.a. vertreten: RnDr. Josef Oštádal der Bürgermeister der Stadt Mährisch Trübau, der Senator Václav Koukal, der Bezirksobmann Mgr. Radko Martinek, Bernhard Hayer vom Bundesverwaltungsamt Köln, Johann Klomfass, Kulturbeauftragter der Deutschen Botschaft in Prag mit Gattin, Weihbischof Gerhard Pieschl aus Limburg/Lahn, Mons. Anton Otte aus Prag und Helena Faberova von der Tschechischen Ackermanngemeinde Prag. Viele Ausstellungsbesucher ließen sich von den deutschen Teilnehmern die Wischauer Herkunft und ihre alte Originaltracht erklären. Für uns, die wir diese Ausstellung konzipiert haben, war es eine Hochstimmung, die kaum zu beschreiben ist. Um 17.00 Uhr begann das offizielle Kulturprogramm unter dem Motto „Schönhengster Schmodern“. Durch das vielfältige Programm führte Irena Kunc in deutscher Sprache. Die tschechische Übersetzung wurde von einer perfekten Dolmetscherin vorgenommen. Neben der Schönhengster Volkstanzgruppe, der Tanz- und Trachtengruppe Türnau sowie der Volkstanzgruppe Jitrenka waren auch wir, die Wischauer Tanz- und Trachtengruppe, vertreten. Wir trugen zur Programmgestaltung mit einer informativen Trachtenschau, unserem Wischauer Lied und einigen Tänzen bei. Die Zuschauer dankten es uns mit großem Applaus. Am Ende dieses Nachmittags, der sich bis weit in den Abend hinein zog, wurden alle Teilnehmer, gleich ob Gäste oder Mitwirkende, von der Stadt Mährisch Trübau zu einem Buffet eingeladen, das in seiner Vielfalt keine Wünsche offen ließ. In lockerer Atmosphäre wurden wieder Fragen über Fragen an uns gerichtet. Das zeigt, dass dieser Tag unsere verlorene Heimat und unsere Gruppe sowohl bei den tschechischen als auch bei den deutschen Besuchern und Teilnehmern sehr viel bekannter gemacht hat – ganz im Sinne von Rosina die sagte: „Wir wollen nicht nur die Asche bewahren, sondern das Feuer hinaustragen“.
Der Sonntag begann um 8.30 Uhr in der Pfarrkirche mit einem gemeinsamen Gottesdienst, zelebriert von Weihbischof Gerhard Pieschl, einem gebürtigen Mährisch Trübauer, sowie vielen weiteren Geistlichen. Das festliche Amt wurde in tschechischer und deutscher Sprache gefeiert. Von den Besuchern der Messe wurden Teile der Schubertmesse und einige tschechische Kirchenlieder, begleitet vom Kirchenchor der Pfarrei, gesungen. Besonders bewegend war, dass das „Vater unser“ zuerst in Latein, dann in Deutsch und in Tschechisch gesungen wurde, wobei sich alle Gläubigen an den Händen fassten.
Im Anschluss daran fand im Rathaus ein Empfang statt. Die Delegationen aus der Partnerstadt Stauffenberg, die Schönhengster Heimatgruppe aus Göppingen sowie unsere Wischauer Gruppe wurden vom Bürgermeister empfangen. Bei einem Rundgang und guten Gesprächen konnten wir die schön renovierten Amtsräume im Rathaus besichtigen. Nach dem gemeinsamen Mittagessen trafen sich dann alle Teilnehmer der Kulturtage an der Nowakgasse (Jirásková Ulice) zur Einweihung eines Versöhnungskreuzes wieder. Alan Leier, Unternehmer und Mitglied des Begegnungszentrums, ließ das Kreuz zusammen mit jungen Leuten aus Mährisch Trübau, renovieren. Es wurde von der anwesenden Geistlichkeit eingeweiht und soll für die Verständigung und Versöhnung zwischen den beiden Völkern stehen. Der letzte Höhepunkt unseres Besuches war der festliche Konzertabend im Museum. Der Chor „Dalibor“ aus Zwittau erfreute die Besucher mit Volksliedern, und das Ehepaar Kocúrek spielte auf verschiedenen alten Instrumenten. „Fermata“, ein Chor aus Mährisch Trübau, brachte in hervorragender Weise bekannte und weniger bekannte Lieder zu Gehör, und die Opernsängerin Elisabeth Weissova begeisterte alle mit ihrer starken Stimme. Mit Klavierbegleitung trug sie einige Arien vor und ihr meisterlicher Vortrag wurde mit einer, vom Publikum stürmisch geforderten Zugabe, beendet. Mit Geigenklängen fand das wunderbare Programm sein Ende. Für alle Anwesenden war es ein unvergleichlich schöner Abschluss der Deutsch-Tschechischen Kulturtage. Am Abend verabschiedete sich unsere Gruppe von Irene Kunc mit einem herzlichen Dankeschön.
Die Rückreise am Montag erfolgte problemlos und so erreichten wir am frühen Abend wieder München. Es war für unsere Trachtengruppe ein beeindruckendes Erlebnis, als Mitwirkende die Deutsch-Tschechischen Kulturtage mitgestalten zu können. Durch die Darstellung über unsere Sprachinsel und natürlich durch die Ausstellung im Begegnungszentrum konnten auch wir einen positiven Beitrag zu diesem Fest leisten. Rosina Reim
________________________________________________________________________________________________________________________
Ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen aus dem ersten Weltkrieg
Das Kriegerdenkmal für die Gemeinden Rosternitz-Swonowitz wurde im Jahre 1915 errichtet. Es war eine Stiftung von Anna Soutschek, Rosternitz 18, ausgeführt von der Firma A. Loos, Brünn.
Auf der Vorderseite des Kreuzes ist zu lesen: „Unseren Vätern, Gatten, Brüdern, Söhnen, die im entsetzlichen Ringen des Weltkrieges ihr Blut und Leben ließen, die in treuer Erinnerung fortleben, die hier oder fern der Heimat in namenslosen Gräbern verlassen ruhen, zum frommen Gedächtnis und immerwährenden Nachruhm.“
An den Seiten sind jeweils die Namen der Gefallenen und ihre Hausnummern eingraviert. Auf der Rückseite waren einst die dazugehörigen Fotos angebracht, welche nach der Vertreibung der deutschen Bewohner in den Jahren 1945/1946 entfernt wurden. Das Kreuz wurde bereits in den Jahren 1994 / 1995 von privaten Spendengeldern ehemaliger Bewohner restauriert. Die Umwelteinflüsse taten aber im Laufe der Zeit ihr Übriges und so dachte man im Jahre 2006 abermals über eine Restaurierung nach. Es war uns einfach wichtig, das letzte, in der Sprachinsel noch stehende, deutsche Kriegerdenkmal nicht dem Verfall preiszugeben. Nachdem unser Entschluss fest stand, folgten mehrere Gespräche mit der Gemeinde Rosternitz-Swonowitz. Bald waren wir uns einig, das Kreuz wieder restaurieren zu lassen. Die Kosten für die Finanzierung wurden von der Gemeinde Rosternitz, dem Südmährerkreis, dem Haus des Deutschen Ostens, München und von privaten Spenden der ehemaligen Bewohner aufgebracht. Die Restauratorin Mag. Radka Levinska, akad. soch., Brünn, war mit den Arbeiten betraut. Das Kreuz steht nun wieder, wie in alten Zeiten, inmitten des Friedhofes und wird im Frühjahr dieses Jahres eingeweiht.(RR)
Diese Projekt wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeitund Sozialordnung, Familie und Frauen über das Haus des Deutschen Ostens gfördert




__________________________________________________________________________________________________________
Kulturelle Begegnung in Rosternitz
Am 29. August 2008 lud die Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel alle heimatverbliebenen Sprachinsler und Gäste ins Gemeindehaus, dem ehemaligen Volkshaus, in Rosternitz zu einem Kulturnachmittag ein. Den Ausschlag für diese Veranstaltung gab unsere Ausstellung in der Bibliothek in Wischau vom November vorigen Jahres. Zur Eröffnung waren seinerzeit sehr viele interessierte Menschen gekommen, so dass der Plan zu einer weiteren Veranstaltung für die heimatverbliebenen Deutschen reifte.
Bei herrlichem Spätsommerwetter trafen sich die aus Deutschland und Österreich angereisten Wischauer sowie die tschechischen Besucher, um den Nachmittag mit einer Messe in der Kirche Cyrill und Method zu beginnen. Im Gottesdienst wurde deutsch und tschechisch gesungen und gebetet. Fünf deutsche Besucher, welche vor 1945 noch in dieser Kirche getauft wurden, trugen ihre Fürbitten für Frieden, Gerechtigkeit und zum Gedenken an alle Verstorbenen der Sprachinsel, vor. Sie spendeten eine Kerze für die Heimatkirche und beteten, ihr Licht solle allen Menschen leuchten, um Gutes zu tun.
Im Volkshaus erwartete nach der Messe eine schön gedeckte Tafel die Teilnehmer. Rosina Reim, die erste Vorsitzende der Gemeinschaft, begrüßte die Besucher sehr herzlich, gab Ihrer Freude über das zahlreiche Erscheinen Ausdruck und berichtete über die Arbeit in der Gemeinschaft. Sie bedankte sich bei allen für ihr Kommen und die gute Zusammenarbeit. Auch die Orts-Bürgermeisterin, die uns gerne die Räumlichkeiten für diese Veranstaltung zur Verfügung stellte, sprach sehr herzliche Worte zur Begrüßung und freute sich über die vielen Gäste aus nah und fern.
Im ersten Teil des Programmes stellten vier junge Leute aus Tschechien ihre Arbeit rund um die Sprachinsel vor:
Die mitgebrachten großen Ordner mit alten Dokumenten und historischen Fotografien, der Schriftenstand sowie die Sammlung der ca. 950 Sterbebilder und Todesnachweise waren immer von Interessenten umlagert. Ganz gleich, ob es um die Kriegstoten des ersten Weltkrieges ging, die Geschichte der Rübenbahn oder um andere Themen, es wurde heftig diskutiert und ausgetauscht. Viele Kontakte konnten während dieser Zeit geknüpft und wertvolle Informationen erfragt, weitergegeben und gesammelt werden. Sehr interessiert angenommen wurde der Programmpunkt: „Anlegen unserer Original Tracht“. Dazu hatten zwei Mitglieder unserer Gemeinschaft ihre Originaltracht, die bis 1945 in diesem Ort von ihren Eltern getragen wurde, mitgebracht. Das fachkundige Anziehen der Frauen- und Männertracht wurde perfekt kommentiert, so daß alle Teilnehmer jeden Handgriff genau verfolgen und verstehen konnten. Die Wischauer Tracht aus der Nähe zu sehen - sei es, daß man ehemals selbst diese Tracht trug oder man nur genau hinsah, wie es früher war – interessant war es allemal . Das Trachtenpaar wurde viel bewundert und fotografiert und in diesem Zusammenhang rückte die Heimatstube im Obergeschoß des Volkshauses wieder gezielt in den Mittelpunkt. Dort konnte man in gut gestalteten, informativen Ausstellungsvitrinen Trachten, Handwerkszeug, Haushaltsgegenstände, Fotos, Zeitungsartikel und Alben sehen, die allesamt dem Besucher das Leben der Bewohner vor 1945 näher bringen. Im Gästebuch findet man viele Eintragungen aus verschiedenen Ländern; sie besagen alle, dass diese Ausstellung ein wichtiger Beitrag zum besseren Verstehen der Geschichte dient. Unsere alte Mundart hörte man bei dieser Veranstaltung wieder unverfälscht sprechen und ein ganz besonderes Zusammentreffen berührte zutiefst unsere Herzen. Drei ehemalige Schülerinnen eines Sprachinseldorfes haben sich seit der Schulentlassung nicht mehr gesehen. Sie wohnen nur ca. 15 km auseinander entfernt, doch sie wussten voneinander nichts. Sie lebten die erste Zeit nach dem Krieg sehr zurückgezogen, oft auch verängstigt und später glaubten sie nicht mehr an ein Wiedersehen. Man wähnte die Freunde irgendwo in der weiten Welt! Diese Veranstaltung hat es ermöglicht. und das war einfach schön! Für die ehemaligen Rosternitzer gab es von der Bürgermeisterin noch interessante Neuigkeiten: das deutsche Kriegerdenkmal auf dem Friedhof und das Cholerakreuz sollen renoviert werden. Das Haus Nr. 95 (ehemals Kolonialwarengeschäft) wird im Jahre 2009 ebenfalls wieder original getreu saniert; zusammen mit einem Neubautrakt wird dieses Gebäude in Zukunft für Tagungen mit Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Da das Haus noch mit Lehmziegeln erbaut wurde, ist es besonders auch für die Denkmalschützer von großer Bedeutung. Die Stunden dieses Treffens vergingen sehr schnell und kurzweilig. Die heimatverbliebenen Deutschen, die zum Teil mit ihren Familien teilnahmen, freuten sich sichtlich über den Nachmittag und für die aus Deutschland und Österreich angereisten Gäste wurde es ein unvergesslicher Tag. Gegen Abend trennten sich die Wege wieder, jedoch nicht ohne das Versprechen auf ein Wiedersehen. Christine Legner/Rosina Reim (Die Veranstaltung wurde vom Haus des deutschen Ostens in München unterstützt.)
Kirche |
Kirche in Abendstimmung |
Dorfansicht |
Sölderhäuser |
Dorfansicht vor 1945 |
Sammlung von Sterbenachweisen |
Trachten aus Rosternitz bis 1945 |
Begrüssung |
Besucher |
Fotos Natalie Kriwy und Willi Reim
_________________________________________________________________________
Ausstellung in der Bibliothek in Vyskov vom 6.11. - 17.11.2007
„Volkskultur aus der deutschen Wischauer Sprachinsel“
unter diesem Motto konnten wir vom 6. bis 17. November 2007 in Wischau, der ehemaligen Bezirksstadt für die acht deutschen Sprachinselorte, eine Ausstellung zeigen. Wir waren sehr erfreut, als wir uns schon im Frühjahr dieses Jahres auf einen gemeinsamen Termin mit Herrn Ing. Matyas und dem Direktor der Bibliothek einigen konnten. Wir haben die Vorgehensweise besprochen und freuten uns auf die bevorstehende Zusammenarbeit. Unser Ziel war es, den Bewohnern von Wischau und Umgebung einen kleinen Einblick in die fast untergegangene Kultur unserer Vorfahren zu geben. Die Vorarbeiten erfolgten in München. Wir fertigten 17 Schautafeln in der Größe von 1,00 x 0,70 m an. Jede Tafel zeigt ein be-stimmtes Thema und die Besucher konnten sich durch Bild und durch Beschriftungen genau über jedes einzelne Foto informieren. Zwei Tafeln sind mit Arbeiten und Tätigkeiten unserer Gemeinschaft heute bestückt.
![]() |
Tafel 1 - Ortschaften der acht Dörfer |
![]() |
Anfang November fuhr ein voll bepacktes Auto Richtung Wischau. Wir waren alle sehr aufgeregt und gespannt, ob und wie es funktionieren wird u n d es hat funktioniert. Wir wurden in Wischau freundlich empfangen und konnten unsere Schautafeln in der Bibliothek an einer exponierten Stelle gut präsentieren. In zwei zur Verfügung gestellten Vitrinen zeigten wir Original Handarbeiten, die von der großen Geschicklichkeit und Kreativität unserer Mütter und Großmütter aus der Sprachinsel zeugen.
Tafel 2 - Brauchtum |
Tafel 3 - Hochzeit untere Sprachinsel |
Tafel 4 - Hochzeit obere Sprachinsel |
Tafel 5 - Kirchliche Feste |
Tafel 6 - Frauentracht |
Tafel 7 - Kindertracht |
Tafel 8 - Familien |
Tafel 9 - Männertracht |
Tafel 10 - Kinder und Schule |
Tafel 11 - Arbeiten auf Feld und Hof |
Tafel 12 - Bauernarbeit und Viehzucht |
Tafel 13 - Sport |
Tafel 14 - Alte Bauwerke |
Tafel 15 - Auftritte der Trachtengruppe |
Tafel 16 - Ausstellungen, Museen |
Tafel 17 - Sölderhäuser |
Am Dienstag fand die Vernissage mit geladenen Gästen statt. Das Interesse an dieser Veranstaltung war sehr groß. Die offizielle Begrüßung und die beiden anschließenden Vorträge über die Geschichte, Kultur und Lebensweise in der Sprachinsel wurden von den Besuchern sehr interessiert verfolgt. Unser alter Stummfilm von 1939 stellte schließlich den Höhepunkt der Veranstaltung dar. Hier sahen die Gäste die vorangegangenen Darlegungen auch im Bild.
Viele Personen aus dem Öffentlichen Leben gaben uns ebenso die Ehre, wie Freunde und gute Bekannte aus Wischau, Brünn und Umgebung. Auch die verbliebenen Deutschen aus dem Bezirk Wischau kamen fast vollzählig und verliehen oft ihrer Freude Ausdruck, wenn sie das eine oder andere Bild noch kannten oder Verwandte irgendwo darunter entdeckten. Wir konnten bei dieser Veranstaltung viele gute Gespräche führen und wir waren schließlich froh, diesen Schritt gewagt zu haben. Es wurde bereits in Erwägung gezogen, die Ausstellung als Wanderausstellung auch noch an anderen Orten zu zeigen.
Diese Ausstellung wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen über das Haus des Deutschen Ostens/München gefördert. (Rosina Reim)
__________________________________________________
Renovierung der Kirche in Kutscherau – Kucerov (Beginn 2006)
Innerhalb der Vereinigung „Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel e.V.“ bildete sich vor einigen Jahren als Untergruppierung die „Interessengemeinschaft Kutscherauer Kirche“ heraus. Sie setzt sich speziell für die Sanierung dieses einen Gotteshauses ei, von dem sie ihren Vereinsnamen ableitet.
Den Ausgang nahm das grenzüberschreitende Projekt auf Grund einer Anfrage des zuständigen tschechischen Pfarrers Klima aus Kutscherau. Er trat an die ehemaligen deutschen Bewohner seines Ortes heran und bat sie um Mithilfe bei der Finanzierung der anstehenden Kirchenrenovierung. Der Verfall des Gebäudes war mittlerweile so stark fortgeschritten, dass das Dach massiv Einsturz gefährdet war. Die Interessengemeinschaft unter Matthäus Wittek erklärte sich schnell zur Mithilfe bereit, sah sie sich dahingehend doch in der Pflicht gegenüber ihren Vorfahren, die die Kirche vor Jahrhunderten erbaut und bis zur Vertreibung 1945/1946 erhalten hatten. Mit der Gemeindeverwaltung und dem Pfarrer von Kutscherau wurden darüber Gespräche geführt und die Vorgehensweise erörtert. Beide Institutionen trugen das Projekt wesentlich mit. Von deutscher Seite unterstützte man mittels einer Spendensammlung bei Landsleuten die notwendigen Baumaßnahmen. Auch den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds baten die Projektpartner um einen Zuschuss.
Die Arbeiten sind noch nicht beendet. M.W.
______________________________________________
Jugend forscht
Martin Hanacek aus Ivanovice
Martin hat deutsche Wurzeln. Seine Großeltern väterlicherseits stammen aus dem Dorf Tschechen aus in der Wischauer Sprachinsel. Er ist der Geschichte stets auf der Spur und hat seine Diplomarbeit über das Thema "Wischauer Sprachinsel von der Besiedlung bis zur Vertreibung" geschrieben, die mit der Note 1 bewertet wurde. Zur Zeit arbeitet er an einer Doktorarbeit, die sich an das vorgenannte Thema anknüpft.
Lenka Brazdilova aus Machova
Lenka nahm an einem Schülerwettbewerb mit dem Thema „Ethnologie der Wischauer Sprachinsel“ teil und erreichte in der Landesrunde der Tschechischen Republik den zweiten Platz. Ihre Arbeit wurde in einem zweisprachig erschienenem Buch „Ethnografie der Wischauer Sprachinsel“ im Jahre 2004 in der Reihe „Edition Spuren“ von der Sudetendeutschen Heimatpflege, München, herausgegeben.
Filippo Nereo, Manchester (England)
Filippo schrieb im Jahre 2006 eine Magisterarbeit mit dem Thema „Mundart aus der Wischauer Sprachinsel“, die von der Universität Regensburg mit Note 1 bewertet wurde. Filippo schreibt zur Zeit an seiner Doktorarbeit mit dem gleichen Thema.
Kristyna Tausova, Hamilton bei Wischau
Kristyna schrieb im Jahre 2008 eine Magisterarbeit mit dem Thema „Die Wischauer Sprachinsel und ihre Bewohner, gestern und heute“. Die Arbeit wurde von der Universität Brünn mit der Note 1 bewertet.
Diesen vier jungen Menschen stand die Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel mit Rat und Tat stets zur Seite. (Rosina Reim)
__________________________________________________
Wir wollen Bruecke sein – Ausstellung im Obecni dum in Rostenice (ehemals Volkshaus in Rosternitz)
Im Jahre 1925 wurde in der Gemeinde Rosternitz-Swonowitz, einer der sieben Gemeinden der Wischauer Sprachinsel, ein Volkshaus für alle Veranstaltungen des Dorfes gebaut. Für die Dorfbewohner war der Bau eine grandiose Leistung. ( siehe unten). Bis zur Vertreibung im Jahre 1945 diente das Volkshaus als zentraler Ort der Dorfbewohner von Rosternitz-Swonowitz. Das Gebäude wurde später von der Staatlichen Sportverwaltung SOKOL benützt und im Jahre 1989 wieder an die Gemeinde zurückgegeben. Dem Gemeinderat von Rostenice / Zvonovice, allen voran der jungen Bürgermeisterin Frau Marie Slavikova, ist es zu verdanken, daß diese Ruine wieder original getreu saniert wurde. Der "Zukunftsfonds" und die "Interessengemeinschaft Volkshaus Rosternitz" unterstützten dieses Vorhaben. Die Zusammenarbeit während der Renovierungsarbeiten in den Jahren 2000 bis 2004 war problemlos und gut. Die "Interessengemeinschaft Volkshaus Rosternitz" erhielt nach Fertigstellung des Hauses die Möglichkeit, auf der Empore eine Ausstellung über das Leben der deutschen Bewohner vor 1945 zu gestalten. In dieser Ausstellung befinden sich ca. 170 Exponate über Brauchtum, Kultur und Tracht. Die Ausstellungsgegenstände wurden fast ausschließlich von den früheren Bewohnern dieses Ortes zur Verfügung gestellt. Wenn Sie Interesse und die Möglichkeit haben, besichtigen Sie diese Ausstellung. Sicherheitshalber ist eine vorherige Anmeldung im Gemeindehaus unter der Telefonnummer +517330610 empfehlenswert!
____________________________________________________
Das Volkshaus in Rosternitz
"Bis zum Jahre 1898 stand gegenüber Haus Nummer 47 ein Glockenhaus. Dieses wurde abgerissen, als eine freiwillige Feuerwehr gegründet wurde. Das Rüsthaus wurde auf dem geweihten Grundstück des Glockenhauses erbaut und diente als Aufbewahrungsort für Spritzen, Leitern und Schläuche. Auf einem Schild über dem Einfahrtstor war zu lesen: Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr, Rüsthaus der Freiweilligen Feuerwehr“. Das Volks haus wurde dann an dieses Feuerwehrhaus angebaut." (Auszug aus Niederschrift Legner, Rosternitz)
Das Volkshaus wurde in den Jahren 1924 und 1925 mit vielen Eigenleistungen und einer beispielhaften Zusammenarbeit der gesamten Einwohnerschaft von Rosternitz und Swonowitz und der damaligen kulturtragenden Vereine errichtet. Es stellte einen Höhepunkt in der Geschichte der Gemeinde dar und prägte in entscheidender Weise auch das dörfliche Leben. Nach längerer, gründlicher Vorbereitungszeit wurde Ende 1924 eine Baugenossenschaft gegründet, deren satzungsmäßiger Zweck die Erbauung des Volkshauses war. Alle Vereine wie Turnverein, Musik- und Leseverein, Freiwillige Feuerwehr, Ortsgruppe des landwirtschaftlichen Bezirksvereins, die Gemeinde selbst und dreiviertel aller Grundbesitzer von Rosternitz und Swonowitz traten der Genossenschaft bei und beteiligten sich an der Zeichnung der Anleihen (ein Anteil = 150 Tschechische Kronen). Der Bauplatz wurde von der Gemeinde Rosternitz zur Verfügung gestellt. Die gesamten Baukosten betrugen 230.000 Tschechische Kronen. Der Bau selbst begann im Frühjahr 1925 und wurde von der Firma Franz Pawlu, Brünn, durchgeführt. Der Bauführer war Architekt Josef Fleischhacker aus Rosternitz.
Die Beistellung der Hilfsarbeiter wurde zum größten Teil von der Gemeinde selbst besorgt und zwar so, dass jeden Tag eine bestimmte Anzahl Häuser Arbeitskräfte beizubringen hatten. Hierdurch, sowie durch die unentgeltliche Zurverfügungstellung des gesamten Fuhrwerkes durch die Grundbesitzer konnte eine wesentliche Herabsetzung der Baukosten erzielt werden. Das Holz für den komplizierten Dachstuhl war eine Spende des Baron von Schoeller, Schloß Ratschitz. Das stattliche Gebäude wurde mit einer Länge von 30 m und einer Breite von 22m erbaut. Das Feuerwehrhaus hatte einen separaten Zugang und beherbergte in späteren Jahren auch die Tabaktrafik, die von einem Kriegsversehrten betrieben wurde. Das Herzstück des Volkshauses war der geräumige Saal mit einer großen Bühne, umgeben von einer Hinterbühne, einer Kabine für den Souffleur, sowie einem Ankleide- und Geräteraum. Im Saal wurden viele Theateraufführungen zum Besten gegeben. Für den Turnbetrieb wurde der Saal mit Turngeräten wie Reck, Barren, Seitpferd, Sprungbrett und anderem mehr umgestaltet. Der Turnverein hatte einen großen Zulauf und eine sehr gute Männerriege. Die aktiven Turnerinnen und Turner brachten die Voraussetzungen mit, an vielen Turnfesten in Kutscherau, Gundrum, Mödritz, Znaim, Aussig und anderen Orten teilzunehmen.
Das Haus verfügte auch jeweils über Zimmer für den Gemeinderat, den Musikverein, die Mütterberatungsstelle, den Turnverein, die Feuerwehr sowie den Leseverein. Im Obergeschoß mit der 60 qm großen Galerie befanden sich noch mehrere Räume. An das leibliche Wohl der Besucher dachte man ebenfalls und richtete zu diesem Zwecke eine Küche, einen Schankraum und einen Vorratsraum ein. Diese Räume wurden bei allen größeren Veranstaltungen mit Bewirtung abwechselnd an die beiden Rosternitzer Gastwirte verpachtet. „Die Einweihung erfolgte am 4. Oktober 1925 unter großer Anteilnahme sowohl der Dorfbewohner als auch vieler Vereine, Freunde und Bekannte von weit und breit. Ein ganz seltenes Bild bot sich den Teilnehmern dadurch, dass die gesamte Weiblichkeit von Rosternitz und Swonowitz in ihrer Tracht in geschlossener Masse sowohl an der Messe, die im Freien vor dem Volkshaus zelebriert wurde, als auch an allen Feierlichkeiten teilnahm. Wirkt die Tracht schon, wenn sie sich einzeln zeigt, so wirkt sie doch noch wesentlich effektiver in der Masse. Die Freude und das Erstaunen über den seltenen Genuss war allgemein.“ (Zitat Tagesbote 6.10.1925)
Die Gemeinde Rosternitz hatte nun in der Mitte des Dorfes eine Stätte, in der sie ihre Belange und die alten Sitten und Gebräuche pflegen konnte. Es war nicht nur ein Zentrum für die kulturellen, gesellschaftlichen und sonstigen Veranstaltungen von Rosternitz und Swonowitz, sondern darüber hinaus auch für die ganze deutsche Sprachinsel. Das Volkshaus erfüllte sich bald mit Leben, denn die Veranstaltungen, die früher in den Gasthäusern stattfanden, wurden nun in dieses Haus verlegt. Es waren – um nur einige zu nennen – Hochzeitsfeierlichkeiten, Feuerwehrbälle, Bälle des Musikvereins, Faschingsbälle an zwei aufeinander folgenden Tagen, Kirchweih- und Kathreintänze. Jedes Jahr im Herbst nach der Treibjagd wurde ein Essen für die Jagdgäste veranstaltet und im Winter spielten jeweils der Turnverein oder die Schüler Theater.
Nach 1945/ 1946, nach der Vertreibung der deutschen Bewohner aus diesen Orten wurden zunächst viele politische Versammlungen im Volkshaus durchgeführt und später übernahm die Staatliche Sportverwaltung SOKOL das Gebäude. Diese hatte keine Beziehung zu dem Haus und erweiterte es in Richtung zum vorbei fließenden Bach, was eine gestörte Statik zur Folge hatte. Es wurde die ganze Zeit über nicht viel renoviert und letztendlich wurde aus diesem schönen Haus im Laufe der Zeit eine Ruine. Ab November 1989 wurde das Gebäude dann der Einfachheit halber wieder als Eigentum an die Gemeinde zurückgegeben. Dem Gemeinderat von Rostenice und Zvonovice, allen voran der jungen Bürgermeisterin Frau Marie Slavikova ist es zu verdanken, dass diese Ruine wieder original getreu saniert wurde. Der Umbau war eine sehr große finanzielle Belastung für die Gemeinde Rostenice/Zvonovice, jedoch beteiligte sich der tschechische Staat an der Sanierung ebenso wie der deutsch-tschechische Zukunftsfonds, um den Bau in kürzester Zeit zu vollenden.
Die Interessengemeinschaft Volkshaus Rosternitz, die hauptsächlich aus Damen und Herren, die noch in diesen Ortschaften geboren wurden, besteht, hat diese Renovierung sehr befürwortet und auch finanziell unterstützt. Sie arbeitet intensiv mit Frau Bürgermeisterin zusammen; die gespendeten Gelder wurden für einen Teil der neuen Fenster, die allesamt wieder originalgetreu angefertigt werden mussten, verwendet. Die Auflage des deutsch-tschechischen Zukunftsfonds, im Volkshaus für die Zukunft eine deutsche Heimatstube einzurichten, wird erfüllt. Die Interessengemeinschaft hat ab 2004, der Fertigstellung der Sanierungsarbeiten, in einem Raum dieses Hauses das Leben in der Sprachinsel vor 1945 in vielfältiger Weise dargestellt.
Grundsteinlegung 1924 |
Bauarbeiten 1924 |
Bauarbeiten 1924 |
Hochzeitszug am Volkshaus vorbei ca. 1928 |
Empore im Volkshaus ca. 1930 |
Hochzeitszug am Volkshaus vorbei ca. 1930 |
Zeichnung von R. Jelinek ca. 1925 |
Männergruppe vor dem Volkshaus ca. 1925 |
Zeichnung von R. Jelinek ca. 1925 |
alte Ansichtskarte Rosternitz ca. 1934 mit Volkshaus |
Volkshaus nach der Sanierung 2005 |
Volkshaus nach der Sanierung 2005 |
______________________________________________
Museum Wischau (Vyskov) - Trachten aus der ehemaligen deutschen Sprachinsel
Ende Oktober 2000 wurde im Museum Wischau die Tracht aus der ehemaligen deutschen Sprachinsel bei Wischau neu präsentiert. In einer großen Vitrine wurde eine Ausstellungspuppe in der hohen Festtagstracht der verheirateten Frau und ein eine männliche Schaufensterpuppe in der Sonntagstracht angezogen, damit sich die Museumsbesucher genau über die alte Tracht ihrer ehemaligen Nachbarn informieren können.
Die Zusammenarbeit mit dem Museum Wischau, Herrn PhDr. Jordan und Frau Mag. Marketta Mikyskova waren sehr gut. Die Ausstellungsgegenstände wurden vom Museum zur Verfügung gestellt, die meisten Trachtenteile wurden von unserer Gemeinschaft mitgebracht und dem Museum als Geschenk übergeben. (Rosina Reim)
_________________________________________________
Renovierung Kriegerdenkmal aus dem ersten Weltkrieg in Rosternitz (Rostenice)
Das Kriegerdenkmal auf dem Friedhof in Rosternitz wurde im Jahre 1915 von Frau Anna Soutschek, Rosternitz 18, gespendet. Durch die Initiative von Leo Kutscherauer von der Arbeitsgemeinschaft Wischauer Sprachinsel e.V. wurde das Kreuz in den Jahren 1994 / 1995 aus Spendengeldern der früheren Bewohner dieses Ortes vollständig restauriert. Für Leo Kutscherauer war es wichtig, nachdem der Rost der Kreuzigungsfigur immer mehr in den Marmor eindrang und die Namen der Gefallenen kaum mehr zu lesen waren, für die Restaurierung zu sammeln. Viele ehemalige Bewohner erklärten sich dazu bereit, um dieses Kleindenkmal als Mahnung für geschehenes Unrecht der Nachwelt so lange wie möglich zu erhalten
Das Kreuz sollte für die Gefallenen der beiden Weltkriege, aber auch für alle Toten, die durch Flucht und Vertreibung ihr Leben lassen mussten, stehen bleiben. Die Inschrift lautet: „Unseren Vätern, Gatten, Brüdern, Söhnen, die im entsetzlichen Ringen des Weltkrieges ihr Blut und Leben ließen, die in treuer Erinnerung fortleben, die hier oder fern der Heimat in namenslosen Gräbern verlassen ruhen, zum frommen Gedächtnis und immerwährenden Nachruhm.“ (Rosina Reim)
__________________________________________________
Renovierung Kirche in Rosternitz / Rostenice
Die Kirche in Rosternitz wurde in den Jahren 1854 bis 1857 erbaut und den Landespatronen Cyrill und Method geweiht. Sie war das geistliche Zentrum der Rosternitzer und Swonowitzer Dorfbewohner, die bis zum Jahre 1945 in gut nachbarschaftlichen Beziehungen mit den tschechischen Nachbarn lebten. Nach der Vertreibung in den Jahren 1945 und 1946 wurde der Kirche nicht viel Beachtung geschenkt und sie wurde renovierungsbedürftig.
Ehemalige Bewohner der beiden oben genannten Dörfer unter Leo Kutscherauer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Wischauer Sprachinsel e.V., Aalen, setzten sich für dieses grenzüberschreitende Projekt ein. Bei den Geistlichen Herren auf tschechischer Seite wurde die Idee sehr herzlich aufgenommen und man begann alsbald, die Arbeiten in Angriff zu nehmen. In Zusammenarbeit mit kirchlichen, tschechischen Institution wurde die Heimatkirche in den Jahren 1990 bis 1993 renoviert, um sie für nachfolgende Generationen zu erhalten. Das Hauptaugenmerk wurde dabei auch auf die schönen, bleiverglasten Fenster gelegt, auf denen noch die Spender genannt sind. Die Arbeiten, welche kurz nach der Wende nicht einfach waren, weil die entsprechenden Facharbeiter und das nötige Startkapital fehlten, umfassten das Innere des Gotteshauses. Die ehemaligen deutschen Bewohner spendeten zur Durchführung der Renovierung einen ansehnlichen Betrag!
Im Frühjahr 1993 war es dann so weit und der Altar in der renovierten Kirche wurde vom Brünner Bischof Ckrle neu eingeweiht. Folgende Tafel im Innern des Gotteshauses in deutscher und tschechischer Sprache wurde mit folgendem Wortlauf angebracht: „Die früheren Bewohner von Rosternitz und Swonowitz beteiligten sich bei der Kirchenrenovation in den Jahren 1991 – 1993 mit einem finanziellen Betrag“. (Rosina Reim)